Dieses Positionspapier „Mikroplastik“ des Bündnisses Exit Plastik zeigt Maßnahmen auf, um Mikroplastik an der Quelle zu verhindern. Denn Mikroplastik und die daran anhaftenden oder darin enthaltenen Stoffe sind eine Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Ökosystemen. Flüssig, halbfest aber auch gerade in fester Form als Plastikpartikel finden sich Kunststoffe in unseren Böden, unseren Gewässern und unserer Atemluft. In Form von Mikro- (<5mm) bzw. Nanoplastik (<1000nm) sammelt es sich in Pflanzen, Tieren und Ökosystemen.
Als Mikro- bzw. Nanoplastik werden kleine Plastikpartikel (<5mm bzw. 1- 1000nm) bezeichnet. Flüssig, halbfest aber auch gerade in fester Form als Plastikpartikel finden sich Kunststoffe inzwischen überall – in unseren Böden, unseren Gewässern und unserer Atemluft. In Deutschland gelangen pro Kopf jedes Jahr 4kg Mikroplastik in die Umwelt, insgesamt 330.000 Tonnen. Mikroplastik und die daran anhaftenden oder darin enthaltenen Stoffe sind eine Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Ökosystemen. 1
Mikroplastik entsteht durch die Abnutzung bzw. Abrieb und den Zerfall von Plastik. Die häufigsten Quellen sind Textil-Mikrofaser, Medizinprodukte oder Reifenabrieb. Aber auch Plastik in der Umwelt emittiert stetig Mikroplastik.2
Alarmierende Mengen an Mikroplastik werden auch weiterhin bewusst hergestellt und etlichen Produkten unseres Alltages oder Industrieprodukten z.B. Kosmetika und Lacken, absichtlich zugesetzt.2
Mikroplastik kann über Nahrung, Luft, oder Haut aufgenommen werden, z.B. durch den Konsum von Mineralwasser, den Faserabrieb von synthetischen Textilien, oder Mikroplastik in Kosmetikprodukten.4
Umweltstudien dokumentieren erhebliche ökologische Auswirkungen, etwa durch Bioakkumulation, Störung der Nahrungsaufnahme von Wasser- und Kleinstlebewesen und Anreicherung in der Nahrungskette.5
Mikroplastik ist längst in Menschen nachweisbar, wenngleich die genaue Anzahl der aufgenommenen Partikel Gegenstand von Diskussionen ist. Durch die geringe Partikelgröße durchbringt Mikroplastik Gewebe und Barrieren im Körper. Es gelangt so in Organen wie der Lunge und der Leber, ins Blut und wurde auch bei Schwangeren in der Plazenta nachgewiesen.6
Auch wenn es noch Unsicherheiten zu genauen Auswirkungen gibt, ist eindeutig, dass Mikro- und Nanoplastik ein zunehmendes Gesundheitsrisiko für den Menschen bergen. Zum einen kann Mikroplastik selbst Schäden verursachen, zum anderen sind auch im Mikroplastik toxische Zusatzstoffe und Chemikalien enthalten, die Krankheiten verursachen können. Mit der Aufnahme von Mikroplastik werden zum Beispiel chronische Entzündungen, Störungen des Hormonhaushalts, Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit und Krebs assoziiert.7
Regulierung
DieEU-Verordnung über die Beschränkung von absichtlich zugesetztem Mikroplastik(engl. Restriction of intentionally-added microplastics) verbietet den absichtlichen Zusatz von Mikroplastik zu bestimmten Produkten (z. B. Kosmetika, Füllmaterial für Sportplätze). Sie ist Teil der REACH-Verordnung (EU-Rahmen für Chemikalien) im Verzeichnis der Stoffe mit eingeschränkter Verwendung (Annex XVII). (Siehe auch im SteckbriefPlastik)
Die EU hat eine Methodik zur Messung von Mikroplastik in Wasser für den menschlichen Gebrauch festgelegt, damit Informationen über Mikroplastik im Wasser künftig verlässlicher gesammelt und verglichen werden können.
In Deutschland ist seit April 2024 die DIN EN ISO 24187:2023 als nationale Norm für Methoden zur Mikroplastikanalyse erschienen.
Die kommunale Abwasser-Rahmenrichtlinie der EU fordert, dass die Mitgliedstaaten in Siedlungsgebieten mit mehr als 10.000 Einwohnern sicherstellen, dass das Vorhandensein von Mikroplastik im Klärschlamm überwacht wird – insbesondere, wenn der Klärschlamm in der Landwirtschaft wiederverwendet wird.
Weitere Regulierungen und Rahmenwerke der EU, welche Mikroplastikverschmutzung angehen sind hier aufgeführt.
Forderungen
Es besteht dringender Handlungsbedarf um die Produktion von (Mikro)Plastik einzudämmen und die Emission von Mikroplastik und Schadstoffen in die Umwelt zu verhindern:
Maßnahmen, die den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt direkt an der Quelle verhindern, sollten klar priorisiert werden.
Hersteller*innen und Inverkehrbringer*innen von Plastik(produkten) müssen finanziell für die Umsetzung von Maßnahmen gegen den nutzungs- und verwitterungsbedingten Austrag von Mikroplastik in die Umwelt in die Pflicht genommen werden.
Das Verbot für den Einsatz gezielt eingesetzten Mikroplastiks muss für Mikroplastikpartikel jeder Konsistenz und Größe gelten.
Alternativen für Mikroplastikpartikel müssen durch unabhängige Institute auf human- und ökotoxikologische Unbedenklichkeit hin überprüft werden
Um die Verschmutzung durch Plastik Pellets an Land und im Meer einzudämmen, braucht es verbindliche und sanktionierbare Maßnahmen gegen Pellet-Verluste für große und kleine Betriebe. (Siehe auch Themenseite Plastik-Pellets)
Das Fact Sheet „Risikobehälter: Plastikmaterialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen“ bietet einen Überblick über Kunststoffe mit Lebensmittelkontakt, die häufig wiederverwendet werden. Zudem informiert es über Chemikalien, die aus diesen Kunststoffen in Lebensmittel übergehen können. Bei Mehrwegsystemen ist dieses Wissen essenziell, um mögliche Gesundheitsgefahrenabschätzen zu können und im Voraus auszuschließen sowie Wissenslücken zu erkennen.
Gefährliche Chemikalien in Kunststoffen und Plastikprodukten können Krankheiten bedingen. Diese Seite gibt einen Überblick über die Problematik und zeigt Lösungen auf.
https://exit-plastik.de/wp-content/uploads/2022/10/Icon_Chemikalien.png14281428Redakteur*inhttps://exit-plastik.de/wp-content/uploads/2022/12/220720_Logo_Exit_Plastik_Logo_LANG-Transparent_CMYK_neu_anb_329x86-1-300x78.pngRedakteur*in2022-10-14 18:53:322026-07-01 17:24:43Chemikalien in Plastik
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