Lebensmittel ohne Plastik für alle
Lebensmittel ohne Plastik für alle!
Fordere mit uns politische Maßnahmen für Lebensmittel ohne Plastik für alle!
Wer heute in Deutschland Lebensmittel einkauft, kann Plastik kaum noch entkommen. Unsere Nahrung ist standardmäßig von Kunststoff umhüllt[1] – und damit von einem fossilen Material, das niemals verrottet,[2] sondern sich zersetzt, abreibt und mitsamt einer Vielzahl oft toxischer chemischer Stoffe in unsere Lebensmittel übergehen kann.[3] Der Supermarkt ist längst ein Ort alltäglicher Plastikbelastung geworden.[4]
[1] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index.
[2] UNEP (2023): Turning off the Tap: How the World Can End Plastic Pollution and Create a Circular Economy.
[3] Geueke B. et al. (2023): Systematic evidence on migrating and extractable food contact chemicals. Critical Reviews in Food Science and Nutrition.
[4] Fauroux M., Boucher J., Perreard S. (2026): From Pack to Plate: A Global Assessment of Micro- and Nanoplastics Migrating from Food Packaging into Food. Earth Action.
Alle Menschen in Deutschland müssen die Möglichkeit haben, Lebensmittel ohne Kunststoffverpackungen in gängigen Supermärkten und Discountern – und ohne Preisaufschlag – kaufen zu können.
Hier geht es zum gesamten Petitionstext…
Rund 66 % unserer Lebensmittel und Getränke werden in deutschen Supermärkten in Kunststoffbehältnissen oder – verpackungen verkauft – bei Fleisch und Fisch (ca. 84 %), Molkereiprodukten (ca. 83 %) und Getränken (ca. 80 %) ist Plastik praktisch Standard.[1] Damit ist Kunststoff zur dominierenden Schnittstelle zwischen Nahrung und menschlichem Körper geworden.[2]
Diese Situation ist kein Zufall. Noch in den 1950er-Jahren wurden Lebensmittel überwiegend lose oder in Glas, Papier und Metall verkauft. Mit der massenhaften Einführung von Einwegkunststoffen seit den 1970er- und 1980er-Jahren wurden Mehrweg- und Thekensysteme systematisch zurückgedrängt[3] – zugunsten eines hochgradig plastikabhängigen Vertriebssystems, dem sich Verbraucher:innen heute kaum entziehen können.[4]
[1] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index.
[2] Fauroux M., Boucher J., Perreard S. (2026): From Pack to Plate: A Global Assessment of Micro- and Nanoplastics Migrating from Food Packaging into Food. Earth Action.
[3] Umweltbundesamt (UBA) (2012): Historische Entwicklung von Verpackungen und Verpackungsabfällen in Deutschland. Dessau-Roßlau.
[4] Fernie J, Sparks L (eds.) (2004): Logistics and Retail Management.
Was heute wissenschaftlich eindeutig ist: Kunststoffverpackungen können winzige Mikro- und Nanoplastikpartikel sowie weitere chemische Bestandteile aus der Verpackung in unsere Lebensmittel abgeben.[1] Dieser Übergang findet nicht nur im Labor statt, sondern im ganz normalen Alltag – durch Drücken, Knicken, Öffnen, Transport, Erhitzen, Einfrieren oder den Kontakt mit Fett und Säure. Gerade heiße, fetthaltige oder saure Lebensmittel fördern diese Abgabe besonders stark – und genau diese Produkte werden besonders häufig in Kunststoff verkauft.[2]
Damit können Plastikpartikel zusammen mit einer Vielzahl von oft unbekannten chemischen Stoffen aus der Verpackung in die Nahrung gelangen – und von dort in unsere Körper.[3] Kleinere Partikel, insbesondere im Nano- und Submikrometerbereich, können biologische Barrieren überwinden und sich im Organismus verteilen. Studien zeigen, dass sie in den Blutkreislauf gelangen und längst fast alle unsere Organe erreicht haben, vom Gehirn bis hin zur Plazenta ungeborener Kinder. Parallel verdichten sich Hinweise, dass Mikro- und Nanoplastik Entzündungsprozesse, zellulären Stress und Störungen zentraler biologischer Systeme begünstigen, mit möglichen Bezügen zu Herz-Kreislauf-, Immun- und Stoffwechselerkrankungen.[4]
Die wissenschaftlichen Befunde sind alarmierend:
Eine Übersichtsstudie fand in mehr als 150 Fällen Mikro- oder Nanoplastik in Lebensmitteln oder Modell-Lebensmitteln, die mit für den Lebensmittelkontakt vorgesehenen Kunststoffmaterialien wie Plastikverpackungen in Berührung kamen.[5] Das ist kein Einzelfund – es ist ein systembedingtes Muster.
[1] Food Packaging Forum / npj Science of Food (2025): Systematic evidence map on micro- and nanoplastics from food contact articles.
[2] Food Packaging Forum (2025) Evidence Map.
[3] FAO (2022): Microplastics in food commodities.
[4] Yang Y., et al. (2025): Micro- and nanoplastics in the human body: toxicokinetics, biological barriers and organ distribution.
[5] Hernandez LM et al. / Food Packaging Forum (2025): Systematic evidence map of micro- and nanoplastics from food contact articles.
Diese Gesundheitsbelastung ist zugleich eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Menschen mit geringem Einkommen und gerade Familien kaufen überwiegend dort ein, wo Plastik am dominierendsten ist: in Discountern. Diese Märkte enthalten ihren Kund:innen systematisch verpackungsarme Alternativen vor – Frischetheken, lose Ware oder Mehrwegangebote fehlen dort fast vollständig. Günstige Eigenmarken sind nahezu immer in Einwegplastik verpackt.[1]
Wer auf verpackungsfreie oder verpackungsarme Alternativen ausweichen möchte, findet diese meist nur in Bioläden, Unverpackt-Geschäften oder auf Wochenmärkten – häufig teurer und räumlich schlechter erreichbar. Das Ergebnis ist ein struktureller Zwang: Wer weniger Geld hat, ist im Alltag stärker Plastik und damit höheren Gesundheitsrisiken ausgesetzt.[2]
[1] Deutsche Umwelthilfe (DUH) (2024): Supermarktcheck Plastik. Berlin.
[2] Umweltbundesamt (UBA) (2025): Umweltgerechtigkeit – Umwelt, Gesundheit und soziale Lage. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt.
Besonders brisant ist, dass ein großer Teil dieser Belastung vermeidbar wäre. Nahezu 48 % der untersuchten Lebensmittelverpackungen aus Plastik gelten als unnötig oder problemlos ersetzbar.[1] In Deutschland entstehen dadurch jedes Jahr rund 38,6 Milliarden überflüssige Plastikverpackungen für Lebensmittel – und eine dauerhaft steigende Plastikbelastung für Mensch und Umwelt.
[1] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index. London: Retail Economics / DS Smith.
Die wissenschaftlichen Hinweise sind heute so eindeutig, dass weiteres Abwarten unverantwortlich ist. Das Vorsorgeprinzip verpflichtet Politik und Wirtschaft zum Handeln – jetzt!
Das Vorsorgeprinzip – fest verankert im EU-Recht und in Deutschland – bedeutet: Sobald ein plausibles Risiko für Umwelt oder Gesundheit erkennbar ist, müssen vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden – bevor der letzte wissenschaftliche Beweis für jedes Detail vorliegt.[1]
Genau das ist hier der Fall. Die Evidenz zu Mikro- und Nanoplastik ist erdrückend: Der Übergang aus Verpackungen in Lebensmittel – mitsamt oft toxischen oder unbekannten chemischen Stoffen -, ihre Aufnahme in den Körper, biologische Wirkungen auf Zellen und Entzündungsprozesse sind vielfach belegt. Gleichzeitig zerfällt Plastik weiter – die Belastung wächst jeden Tag.[2] [3]
Nicht zu handeln, obwohl diese Risiken klar benannt sind, ist politisches und wirtschaftliches Wegsehen – auf Kosten der Gesundheit von Millionen Menschen.
Das Vorsorgeprinzip verpflichtet Staat und Unternehmen, diese Belastung zu reduzieren. Jeder weitere Aufschub ist unverantwortlich.
[1] European Commission (2000): Communication from the Commission on the Precautionary Principle (COM(2000) 1 final). Brussels: European Commission.
[2] University of Birmingham (2025): Global plastic pollution treaty essential to tackle growing health risks to all life on Earth.
[3] Food Packaging Forum / npj Science of Food (2025): Systematic evidence map on food contact materials and MNP.
Jetzt die Petition unterzeichnen:
Petition an Bundesumweltminister Carsten Schneider
Sehr geehrter Herr Bundesumweltminister Schneider,
immer mehr wissenschaftliche Studien zeigen, dass unsere Lebensmittel durch Kunststoffverpackungen mit Mikro- und Nanoplastik sowie darin enthaltene weitere chemische Verpackungsbestandteile belastet werden – und dass diese Stoffe in den menschlichen Körper gelangen können.[1] Die Hinweise auf mögliche gesundheitliche Folgen sind so zahlreich und besorgniserregend, dass weiteres Abwarten nicht verantwortbar ist.[2] Selbst dort, wo noch Forschungsbedarf besteht, greift das Vorsorgeprinzip:[3] Wenn ein plausibles Risiko besteht, muss gehandelt werden. Deshalb wenden wir uns mit einer dringenden Forderung an Sie:
Alle Menschen in Deutschland müssen die Möglichkeit haben, Lebensmittel ohne Kunststoffverpackungen in gängigen Supermärkten und Discountern – und ohne Preisaufschlag – kaufen zu können.
Dieses Recht existiert heute nicht. Für die meisten Menschen ist der Alltagseinkauf zwangsläufig mit Kunststoffverpackungen verbunden[4] – und damit mit einer vermeidbaren Belastung durch Mikro- und Nanoplastik sowie weiteren chemischen Verpackungsbestandteilen, die in Lebensmittel übergehen können. Besonders betroffen sind Kinder, Familien und Menschen mit geringem Einkommen, die kaum Zugang zu verpackungsarmen Alternativen haben.[5]
Die Fakten sind eindeutig:
- Über 50 % der vom Menschen aufgenommenen Plastikpartikel stammen aus Lebensmitteln und Getränken.[6]
- Fast die Hälfte der heutigen Lebensmittelverpackungen aus Plastik ist unnötig oder durch andere Materialien ersetzbar.[7]
- Plastikarme und plastikfreie Mehrwegangebote, lose Ware und verpackungsarme Systeme funktionieren – sie werden im Massenmarkt jedoch nicht bereitgestellt.
Damit werden Tag für Tag vermeidbare Gesundheitsrisiken in Kauf genommen, obwohl praktikable und sichere Alternativen existieren.
Das Vorsorgeprinzip, das in Deutschland und der EU gilt, verpflichtet dazu, bei erkennbaren Risiken für Gesundheit und Umwelt präventiv zu handeln – bevor irreversible Schäden für Verbraucher:innen entstehen. Die wissenschaftliche Lage zu Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln ist heute so eindeutig, dass weiteres Abwarten nicht mehr zu rechtfertigen ist.[8]
Nicht zu handeln bedeutet, die schleichende Belastung unserer Lebensmittel und unserer Körper fortzusetzen. Plastik zerfällt und gibt Schadstoffe ab – und mit jeder weiteren Einwegverpackung wächst die Belastung.[9]
Wir fordern Sie daher auf, die politischen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein flächendeckendes, bezahlbares und barrierefreies Angebot an plastikfreien oder stark verpackungsreduzierten Lebensmitteln entsteht.
Das bedeutet konkret:
- Plastikfreie Mehrweg-Poolsysteme für Lebensmittel systematisch aufzubauen und zu fördern,
- verpackungsfreie oder -arme Optionen verbindlich in Supermärkten und Discountern einzuführen,
- Preisgleichheit zwischen Einweg und Mehrweg sicherzustellen,
- und alle Maßnahmen am Vorsorgeprinzip auszurichten – besonders zum Schutz von Kindern und einkommensschwachen Haushalten.
Das Recht auf gesunde Nahrung darf nicht vom Geldbeutel oder vom Wohnort abhängen. Heute jedoch zwingt das bestehende System Millionen Menschen dazu, ihre Lebensmittel in Kunststoff zu kaufen – und damit bei jedem Einkauf eine vermeidbare Gesundheitsbelastung in Kauf zu nehmen.
Schützen Sie unsere Gesundheit. Helfen Sie mit, ein Ernährungssystem zu schaffen, das niemanden gefährdet und allen Menschen den Zugang zu sicheren, plastikfreien Lebensmitteln ermöglicht.
[1] Food Packaging Forum / npj Science of Food (2025): Systematic evidence map of micro- and nanoplastics from food contact articles.
[2] Yang Y. et al. (2025): Micro- and nanoplastics in the human body: toxicokinetics, biological barriers and organ distribution.
[3] European Commission (2000): Communication from the Commission on the Precautionary Principle (COM(2000) 1 final). Brussels: European Commission.
[4] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index. London: Retail Economics / DS Smith
[5] Umweltbundesamt (UBA) (2025): Umweltgerechtigkeit – Umwelt, Gesundheit und soziale Lage. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt.
[6] FAO (2022): Microplastics in Food Commodities – A Food Safety Review on Human Exposure through Dietary Sources. Rome: FAO.
[7] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index. London: Retail Economics / DS Smith.
[8] University of Birmingham (2025): Global plastic pollution treaty essential to tackle growing health risks to all life on Earth.
[9] Muncke J. et al. (2020): Impacts of food contact chemicals on human health. Environment International.




