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Konferenz & Runder Tisch 2026 – Rückblick

Dienstag, 10. Februar 2026 | Berlin

Mit insgesamt rund 120 Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik und Praxis sind wir bei der diesjährigen Exit Plastik-Konferenz zusammengekommen. Der Veranstaltungstag mit einem Runden Tisch für die Zivilgesellschaft und einer öffentlichen Podiumsdiskussion, war mehr als ein Fachaustausch – er war ein deutliches Signal: Die Bewegung für drastische Plastikreduktion, giftfreie Materialien und ressourcenschonende Mehrweg-Systeme wächst – und sie ist politisch wirksam.

„Wie gelingt die Plastikwende?“

Das war des Motto des diesjährigen Runden Tisches für die Zivilgesellschaft. Mit Teilnehmenden aus zivilgesellschaftlichen Organisationen wurden die kommunikativen, politischen und ökonomischen Dimensionen der Plastikwende beleuchtet, der Austausch gefördert und das Netzwerk gestärkt.

© Stephan Röhl/Health and Environment Justice Support e.V. 2026

Der Tag begann mit einer eindrücklichen Keynote von Dr. Melanie Bergmann, Wissenschaftlerin am Alfred-Wegener-Institut. Sie machte deutlich, dass die Gesundheitsgefahr durch Plastik für Mensch und Umwelt trotz noch bestehender Leerstellen und Unsicherheiten in der Forschung eindeutig ist. Es besteht dringender Handlungsbedarf, weshalb wir globale, systemische Ansätze benötigen, die bei der Reduktion der Plastikproduktion ansetzen.

Im Rahmen von drei partizipativen Inputs zu den Hintergründen und politischen Prozessen der Themen „Plastikverpackungen und Gesundheit”, „Verpackungen und Mehrweg” sowie „Plastik und Textilien” wurden Erkenntnisse ausgetauscht und diskutiert. In Workshops mit Expert:innen wurden außerdem Wissen und Werkzeuge zur Begleitung politischer Prozesse durch NGOs, zur Verstrickung von Finanzwesen und Plastikkrise, zur Macht- und Konzernpolitik hinter Plastik sowie zu Kommunikationstools für politischen Widerstand gegen Plastik vermittelt.

© Stephan Röhl/Health and Environment Justice Support e.V. 2026

Durch „Zivilgesellschaftliches Speeddating“, gemeinschaftliche Pausen und die Möglichkeit, eigene Projekte vorzustellen, wurde Raum zum Austausch geschaffen, das gegenseitige Engagement gewürdigt und das Netzwerk gestärkt.

„Wege aus der Plastikkrise – Mit der Verpackungswende die Gesundheit schützen“

Unter der Moderation von Alexandra Caterbow, Co-Direktorin von HEJSupport und Co-Koordinatorin von Exit Plastik, trafen am Abend Expert:innen aus Wissenschaft und Politik aufeinander, um die dringenden Fragen der Plastikkrise aus einer ganzheitlichen Perspektive zu beleuchten. 

Im Zentrum stand die Frage: Wie schaffen wir den politischen Rahmen für eine drastische Plastikreduktion – jenseits von Greenwashing und Technofixes?  Die Diskussion griff die mit Plastik verbundenen gesundheitlichen Risiken auf und verknüpfte sie mit der Frage, welche politischen und gesetzlichen Maßnahmen notwendig sind, um wirkungsvolle Veränderungen zu erreichen.

© Stephan Röhl/Health and Environment Justice Support e.V. 2026

Wir diskutierten mit:

  • Dr. Melanie Bergmann, Biologin am Alfred-Wegener-Institut, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu gesundheitlichen Auswirkungen von Kunststoffchemikalien in Umwelt und Organismen einbrachte.
  • Dr. Inga Wagner, Referat für Europäische und internationale Ressourceneffizienz- und Rohstoffpolitik, Circular Economy im Umweltministerium (BMUKN), die politische Ansätze zur Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft diskutierte.
  • Dr. Jan-Niclas Gesenhues, MdB (Bündnis 90/Die Grünen), der politische Wege zur EU- und nationalen Umsetzung ambitiöser Verpackungs- und Plastikregulierungen darlegte.

Die Podiumsdiskussion wurde aufgezeichnet und kann hier angesehen werden.

Wir danken allen Teilnehmenden für den inspirierenden, bestärkenden und weiterführenden Austausch!

Dokumentation und Materialien

In diesem passwortgeschützten Bereich stellen wir allen Teilnehmer:innen der Veranstaltung in Kürze weitere Dokumentationsmaterialien und die Workshop-Unterlagen zum Download zur Verfügung!

Fotos der Veranstaltung © Stephan Röhl/Health and Environment Justice Support e.V. 2026

Steckbrief Plastik: Abfallverbringungsverordnung

(Engl. Waste Shipment regulation)


Die Verordnung über die Verbringung von Abfällen, baut auf den Bestimmungen des „Basler Übereinkommens über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung“ und des damit verbundenen OECD-Beschlusses auf und setzt diese unmittelbar in geltendes Gemeinschaftsrecht um. Sie gilt für die Verbringung (Einfuhr und Ausfuhr) von Abfällen innerhalb der EU sowie in die EU hinein und heraus.

Die Verordnung verbietet den Export von Abfällen zur Beseitigung (z.B. durch Verbrennung) in Drittstaaten. Außerdem verbietet sie den Export von gefährlichen und problematischen Abfällen zur Verwertung in Nicht-OECD-Staaten. Nur der Export nicht gefährlicher („grün gelisteter“) Abfälle ist in Nicht-OECD-Länder erlaubt. Die Empfängerländer müssen der Europäischen Kommission nachweisen, dass sie die Abfälle umweltverträglich behandeln können. Andernfalls wird die Ausfuhr ausgesetzt.

Die Verbringung von Plastikabfällen unterliegt einer besonderen Regelung, die je nach Art der Plastikabfälle (gefährlich, schwer recycelbar & sauber, nicht gefährlich, für das Recycling bestimmt) und Bestimmungsort der Abfälle (EU, OECD, Nicht-OECD) unterschiedliche Verfahren vorsieht. Der Export von Plastikabfällen in Nicht-OECD-Länder ist ab November 2026 verboten. Ab Mai 2029 können diese Länder eine Ausnahmegenehmigung zum Import solcher Abfälle beantragen, wenn sie nachweisen können, dass sie in der Lage sind, Abfälle der Kategorie „sauber, nicht gefährlich, zum Recycling bestimmt“ umweltgerecht zu entsorgen.

Aktualität

Im November 2021 legte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Reform der Vorschriften für die Verbringung von Abfällen vor. Nach Durchlaufen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens ist die reformierte Verordnung am 20. Mai 2024 in Kraft getreten.
In Deutschland wird die Ausführung bzw. Umsetzung der EU-Verordnung durch das Abfallverbringungsgesetz (AbfVerbrG) festgehalten.

Warum ist das Wichtig

Plastikmüllexporte haben verheerende Folgen für Menschen, Umwelt und Klima. Indem reiche und verbrauchsstarke Länder wie Deutschland ihren Plastikmüll in einkommensschwächere Drittländer exportieren, bürden sie diesen die tatsächlichen Kosten einer ordnungsgemäßen Entsorgung auf, während sie sich selbst des Abfallproblems und damit der Verantwortung zur Abfallvermeidung entledigen. Untersuchungen zeigen, dass von Drittländern importierte Plastikabfälle häufig unsachgemäß behandelt werden und z.B. auf wilden Deponien landen oder verbrannt werden. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen vor Ort, die lokalen Ökosysteme und das Klima sind verheerend, da schädliche Chemikalien und Treibhausgase freigesetzt werden. Aus dem Ausland eingeführter Plastikmüll belegt oft ohnehin schon knappe Recyclingkapazitäten in Empfängerländern. Dadurch wird die sachgerechte Verwertung des eigenen Abfalls erschwert bis unmöglich gemacht. 

Plastikmüllexporte stellen ein Schlupfloch für die Erreichung der EU-Ziele zur Kreislaufwirtschaft dar, da aus Deutschland exportierten Kunststoffabfälle in die Recyclingquoten mit eingerechnet werden, unabhängig davon, was dann tatsächlich mit ihnen passiert.

Exit Plastik Kernforderungen

Deutschland gehört zu den Industrieländern, die besonders viele Kunststoffabfälle erzeugen und in hohen Mengen Kunststoffabfälle exportieren – knapp 700.000 Tonnen im Jahr 2023. Deshalb trägt Deutschland eine besondere Verantwortung. Unser Plastikmüllproblem muss in Deutschland gelöst werden wobei Abfallvermeidung an erster Stelle stehen muss.

Das EU-Verfahren zur Gewährung von Ausnahmen vom Verbringungsverbot für Abfälle könnte neue legale Wege für die Verbringung von Abfällen schaffen. Wenn Ausnahmen gewährt werden, wird die Verbringung unter dem Deckmantel der „Ressourcenrückgewinnung“ legitimiert. Wettbewerbsdruck entsteht, die regionale Zusammenarbeit wird untergraben, der Aufbau inländischer Mehrweg- und Recycling-Kapazitäten verzögert oder sogar verhindert, Umweltvorschriften werden geschwächt. Das darf nicht passieren!

Forderungen zur Abfallverbringungsverordnung:

  • Plastikmüll muss in erster Linie vermieden werden, z.B. durch den flächendeckenden Ausbau von unverpackt-Angeboten und schadstofffreien und ressourcenschonenden Mehrwegsystemen.
  • Plastikmüll sollte in dem Land behandelt und recycelt werden, in dem er produziert wurde.
    • Deutschland darf demnach gar keine Plastikmüllexporte vornehmen.
    • Auf EU-Ebene sollte ein langfristiges Exportverbot für alle Arten von Plastikmüll in alle Nicht-EU-Staaten erwirkt werden – und keine Ausnahmeregeln erlaubt werden (auch nicht nach 2029)
  • Die Umsetzung des Basler Übereinkommens und dessen Änderungen/Ergänzungen durch Unternehmen muss streng kontrolliert und bei nicht-Achtung strikt geahndet werden.
  • Illegaler Abfallhandel muss durch angemessene Maßnahmen verhindert und bekämpft werden.
  • Deutschland muss sich im Rahmen des Basler Übereinkommens dafür einsetzen, dass Produkte, die Plastik enthalten, wie beispielsweise Textilien, auch unter die Codes A3210 (gefährliche Kunststoffabfälle) oder Y48 (sonstige Kunststoffabfälle) eingestuft werden.
  • Deutschland muss für die Beseitigung der Schäden durch deutschen Plastikmüll und die fachgerechte Sanierung von illegalen Müllhalden in Empfängerländern Sorge tragen. Illegal verschiffter Plastikmüll muss nach Deutschland zurückgeführt und fachgerecht entsorgt werden.
    • Die Finanzierung der Maßnahmen muss gemäß dem Verursacherprinzips von den verursachenden plastikproduzierenden Unternehmen übernommen werden.

Links:

Positionspapier Kreislaufwirtschaft

Das Positionspapier „Mehr als Recycling – Kreislaufwirtschaft richtig machen“ definiert den Begriff der Kreislaufwirtschaft und zeigt auf, warum Recycling allein nicht ausreicht, um die Ressourcen-, Klima-, Biodiversitäts- und Plastikkrise zu lösen. Kreislaufwirtschaft muss im umfassenden Sinn verstanden werden – als System, das Ressourcenverbrauch vermeidet, Produkte langlebig gestaltet und Stoffkreisläufe tatsächlich schließt.

Zugleich warnt es vor Fehlentwicklungen: Wenn Kreislaufwirtschaft auf Recycling und technische Lösungen am Ende der Wertschöpfungskette reduziert wird, bleiben lineare Strukturen bestehen.

Exit Plastik fordert daher eine echte Transformation hin zu einer ressourcen- und gesundheitsorientierten Wirtschaftsweise:
Vermeidung vor Verwertung, Qualität vor Masse und die Realisierung von Kreislaufkultur im Alltag.

Inhalte des Positionspapiers:

  • Was heißt Kreislaufwirtschaft? – Definition, Abgrenzung zum linearen Wirtschaftsmodell, Verständnis von Zirkularität
  • Das umfassende Konzept (10-R-Modell) – Strategien des Vermeidens, Wiederverwendens und Recyclens; Hierarchie der Zirkularität
  • Grenzen der Kreislaufwirtschaft – Physikalische und systemische Einschränkungen, Verhältnis zu Wirtschaftswachstum, Bedeutung von Suffizienz
  • Wie Kreislaufwirtschaft aussehen sollte – Vermeidung an erste Stelle setzen, lang verwendbare und sichere Produkte designen und Kreislaufkultur im Alltag ermöglichen

Neu #1

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