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Stellungnahme zur Anpassung des Verpackungsgesetzes

Verbรคndeanhรถrung zum Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des Verpackungsrechts und anderer Rechtsbereiche an die Verordnung (EU) 2025/40

Im Hinblick auf die geplante รœberarbeitung des deutschen Verpackungsrechts und der Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) appelliert das NGO-Bรผndnis Exit Plastik* eindringlich an die Bundesregierung, klare und ambitionierte MaรŸnahmen zu ergreifen. Deutschland steht vor der Herausforderung, mit der enormen Menge an Kunststoffverpackungen umzugehen, die jรคhrlich im Land anfallen. Allein im Jahr 2023 wurden in Deutschland knapp 4 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen produziert, was gravierende negative Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt mit sich bringt. Die einst erfolgreiche deutsche Mehrweg- und Recyclingindustrie ist aktuell durch billiges Neuplastik, und hohe Energiekosten bedroht. Neuplastikproduzenten profitieren zudem vom niedrigen ร–lpreis fรผr die Herstellung ihrer Produkte. Investitionen in Mehrweg und Recycling werden auch deshalb nicht getรคtigt, weil der Industrie Planungssicherheit fehlt.

Wir mรผssen die Chance nutzen, um ein starkes Verpackungsgesetz zu schaffen, das die planetare Krise der Umweltverschmutzung und deren Konsequenzen fรผr die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen (One Health) ernst nimmt. Fortschrittliche Ansรคtze sind notwendig, um die Produktion von Kunststoffverpackungen signifikant zu reduzieren, gefรคhrliche Stoffe zu verbannen sowie Transparenz und Rรผckverfolgbarkeit in der gesamten Lieferkette zu gewรคhrleisten. Nur durch entschlossenes Handeln kรถnnen wir eine nachhaltige Zukunft und das Menschenrecht auf eine Gesunde Umwelt auch fรผr kommende Generationen sichern

BMUKN: Referentenentwurf eines Gesetzes zur Anpassung des Verpackungsrechts und anderer Rechtsbereiche an die Verordnung (EU) 2025/40 | Gesetze und Verordnungen

Anhรถrung der Lรคnder und Verbรคnde zum Gesetz zur Anpassung des Verpackungsrechts und anderer Rechtsbereiche an die Verordnung (EU) 2025/40

Mikroplastik

Illustration by Francesca Tabasso

Als Mikro- bzw. Nanoplastik werdenkleine Plastikpartikel (<5mm bzw. <1000nm) bezeichnet. Flรผssig, halbfest aber auch gerade in fester Form als Plastikpartikel finden sich Kunststoffe inzwischen รผberall – in unseren Bรถden, unseren Gewรคssern und unserer Atemluft. n Deutschland gelangen pro Kopf jedes Jahr 4kg Mikroplastik in die Umwelt, insgesamt 330.000 Tonnen. Mikroplastik und die daran anhaftenden oder darin enthaltenen Stoffe sind eine Gefahr fรผr die Gesundheit von Mensch und ร–kosystemen.ย 1

Mikroplastik entsteht durch die Abnutzung bzw. Abrieb und den Zerfall von Plastik. Die hรคufigsten Quellen sind Textil-Mikrofaser, Medizinprodukte oder Reifenabrieb. Aber auch Plastik in der Umwelt emittiert stetig Mikroplastik.2

Alarmierende Mengen an Mikroplastik werden auch weiterhin bewusst hergestellt und etlichen Produkten unseres Alltages oder Industrieprodukten z.B. Kosmetika und Lacken, absichtlich zugesetzt.2

Mikroplastik kann รผber Nahrung, Luft, oder Haut aufgenommen werden, z.B. durch den Konsum von Mineralwasser, den Faserabrieb von synthetischen Textilien, oder Mikroplastik in Kosmetikprodukten.4

Umweltstudien dokumentieren erhebliche รถkologische Auswirkungen, etwa durch Bioakkumulation, Stรถrung der Nahrungsaufnahme von Wasser- und Kleinstlebewesen und Anreicherung in der Nahrungskette.5

Mikroplastik ist lรคngst in uns Menschen nachweisbar. Durch die geringe PartikelgrรถรŸe durchbringt Mikroplastik Gewebe und Barrieren im Kรถrper. Es gelangt so in Organen wie der Lunge und der Leber, ins Blut und ist bei Schwangeren selbst in der Plazenta ungeborener Kinder nachzuweisen.6

Mikroplastik wirkt im Kรถrper doppelt schรคdlich. Zum einen kann Mikroplastik selbst Schรคden verursachen, zum anderen sind auch im Mikroplastik toxische Zusatzstoffe und Chemikalien enthalten, die Krankheiten verursachen kรถnnen. Mit der Aufnahme von Mikroplastik werden zum Beispiel chronische Entzรผndungen, Stรถrungen des Hormonhaushalts, Beeintrรคchtigungen der Fortpflanzungsfรคhigkeit und Krebs assoziiert.7

Regulierung

  • Die EU-Verordnung รผber die Beschrรคnkung von absichtlich zugesetztem Mikroplastik (engl. Restriction of intentionally-added microplastics) verbietet den absichtlichen Zusatz von Mikroplastik zu bestimmten Produkten (z. B. Kosmetika, Fรผllmaterial fรผr Sportplรคtze). Sie ist Teil der REACH-Verordnung (EU-Rahmen fรผr Chemikalien) im Verzeichnis der Stoffe mit eingeschrรคnkter Verwendung (Annex XVII). (Siehe auch im SteckbriefPlastik)
  • Die EU hat eine Methodik zur Messung von Mikroplastik in Wasser fรผr den menschlichen Gebrauch festgelegt, damit Informationen รผber Mikroplastik im Wasser kรผnftig verlรคsslicher gesammelt und verglichen werden kรถnnen.
    • In Deutschland ist seit April 2024 die DIN EN ISO 24187:2023 als nationale Norm fรผr Methoden zur Mikroplastikanalyse erschienen.
  • Die kommunale Abwasser-Rahmenrichtlinie der EU fordert, dass die Mitgliedstaaten in Siedlungsgebieten mit mehr als 10.000 Einwohnern sicherstellen, dass das Vorhandensein von Mikroplastik im Klรคrschlamm รผberwacht wird โ€“ insbesondere, wenn der Klรคrschlamm in der Landwirtschaft wiederverwendet wird.
  • Weitere Regulierungen und Rahmenwerke der EU, welche Mikroplastikverschmutzung angehen sind hier aufgefรผhrt.

Forderungen

Es besteht dringender Handlungsbedarf um die Produktion von (Mikro)Plastik einzudรคmmen und die Emission von Mikroplastik und Schadstoffen in die Umwelt zu verhindern:

  • MaรŸnahmen, die den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt direkt an der Quelle verhindern, sollten klar priorisiert werden.
  • Hersteller*innen und Inverkehrbringer*innen von Plastik(produkten) mรผssen finanziell fรผr die Umsetzung von MaรŸnahmen gegen den nutzungs- und verwitterungsbedingten Austrag von Mikroplastik in die Umwelt in die Pflicht genommen werden.
  • Das Verbot fรผr den Einsatz gezielt eingesetzten Mikroplastiks muss fรผr Mikroplastikpartikel jeder Konsistenz und GrรถรŸe gelten.
  • Die bereits geltenden Einsatzverbote mรผssen ohne unnรถtig lange รœbergang-Perioden umgesetzt werden .
  • Alternativen fรผr Mikroplastikpartikel mรผssen durch unabhรคngige Institute auf human- und รถkotoxikologische Unbedenklichkeit hin รผberprรผft werden
  • Um die Verschmutzung durch Plastik Pellets an Land und im Meer einzudรคmmen, braucht es verbindliche und sanktionierbare MaรŸnahmen gegen Pellet-Verluste fรผr groรŸe und kleine Betriebe.  (Siehe auch Themenseite Plastik-Pellets)

Zur weiteren Vertiefung:

  1. Oliveri Conti et al. 2020: Micro- and nano-plastics in edible fruit and vegetables. The first diet risks assessment for the general population; Walkinshaw et al. 2020: Microplastics and seafood: lower trophic organisms at highest risk of contamination; Horton & Barnes 2020: Microplastic pollution in a rapidly changing world: Implications for remote and vulnerable marine ecosystems; Fraunhoferinstitut: Daten und Fakten Mikroplastik โ†ฉ๏ธŽ
  2. Bertling et al. 2018: Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik โ†ฉ๏ธŽ
  3. Bertling et al. 2018: Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik โ†ฉ๏ธŽ
  4. Mortensen et al. 2021: Unintended human ingestion of nanoplastics and small microplastics through drinking water, beverages, and food sources; Cox et al. 2019: Human Consumption of Microplastics; WHO 2019: Microplastics in drinking-water; Kernchen et al. 2022: Airborne microplastic concentrations and deposition across the Weser River catchment โ†ฉ๏ธŽ
  5. Agathokleous et al (2021): Ecological risks in a โ€˜plasticโ€™ world: A threat to biological diversity?; Fauna & Flora (2023) Marine plastics โ€“ a threat to biodiversity and conservation efforts โ€“ โ†ฉ๏ธŽ
  6. Ragusa et al. 2021: Plasticenta: First evidence of microplastics in human placenta; Correia Prata et al. 2020: Environmental exposure to microplastics: An overview on possible human health effects โ†ฉ๏ธŽ
  7. Swee-Li Yee 2021: Impact of microplastics and nanoplastics on human health โ†ฉ๏ธŽ

Steckbrief Plastik: Abfallverbringungsverordnung

(Engl. Waste Shipment regulation)


Die Verordnung รผber die Verbringung von Abfรคllen, baut auf den Bestimmungen des โ€žBasler รœbereinkommens รผber die Kontrolle der grenzรผberschreitenden Verbringung gefรคhrlicher Abfรคlle und ihrer Entsorgungโ€œ und des damit verbundenen OECD-Beschlusses auf und setzt diese unmittelbar in geltendes Gemeinschaftsrecht um. Sie gilt fรผr die Verbringung (Einfuhr und Ausfuhr) von Abfรคllen innerhalb der EU sowie in die EU hinein und heraus.

Die Verordnung verbietet den Export von Abfรคllen zur Beseitigung (z.B. durch Verbrennung) in Drittstaaten. AuรŸerdem verbietet sie den Export von gefรคhrlichen und problematischen Abfรคllen zur Verwertung in Nicht-OECD-Staaten. Nur der Export nicht gefรคhrlicher („grรผn gelisteter“) Abfรคlle ist in Nicht-OECD-Lรคnder erlaubt. Die Empfรคngerlรคnder mรผssen der Europรคischen Kommission nachweisen, dass sie die Abfรคlle umweltvertrรคglich behandeln kรถnnen. Andernfalls wird die Ausfuhr ausgesetzt.

Die Verbringung von Plastikabfรคllen unterliegt einer besonderen Regelung, die je nach Art der Plastikabfรคlle (gefรคhrlich, schwer recycelbar & sauber, nicht gefรคhrlich, fรผr das Recycling bestimmt) und Bestimmungsort der Abfรคlle (EU, OECD, Nicht-OECD) unterschiedliche Verfahren vorsieht. Der Export von Plastikabfรคllen in Nicht-OECD-Lรคnder ist ab November 2026 verboten. Ab Mai 2029 kรถnnen diese Lรคnder eine Ausnahmegenehmigung zum Import solcher Abfรคlle beantragen, wenn sie nachweisen kรถnnen, dass sie in der Lage sind, Abfรคlle der Kategorie โ€žsauber, nicht gefรคhrlich, zum Recycling bestimmtโ€œ umweltgerecht zu entsorgen.

Aktualitรคt

Im November 2021 legte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Reform der Vorschriften fรผr die Verbringung von Abfรคllen vor. Nach Durchlaufen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens ist die reformierte Verordnung am 20. Mai 2024 in Kraft getreten.
In Deutschland wird die Ausfรผhrung bzw. Umsetzung der EU-Verordnung durch das Abfallverbringungsgesetz (AbfVerbrG) festgehalten.

Warum ist das Wichtig

Plastikmรผllexporte haben verheerende Folgen fรผr Menschen, Umwelt und Klima. Indem reiche und verbrauchsstarke Lรคnder wie Deutschland ihren Plastikmรผll in einkommensschwรคchere Drittlรคnder exportieren, bรผrden sie diesen die tatsรคchlichen Kosten einer ordnungsgemรครŸen Entsorgung auf, wรคhrend sie sich selbst des Abfallproblems und damit der Verantwortung zur Abfallvermeidung entledigen. Untersuchungen zeigen, dass von Drittlรคndern importierte Plastikabfรคlle hรคufig unsachgemรครŸ behandelt werden und z.B. auf wilden Deponien landen oder verbrannt werden. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen vor Ort, die lokalen ร–kosysteme und das Klima sind verheerend, da schรคdliche Chemikalien und Treibhausgase freigesetzt werden. Aus dem Ausland eingefรผhrter Plastikmรผll belegt oft ohnehin schon knappe Recyclingkapazitรคten in Empfรคngerlรคndern. Dadurch wird die sachgerechte Verwertung des eigenen Abfalls erschwert bis unmรถglich gemacht. 

Plastikmรผllexporte stellen ein Schlupfloch fรผr die Erreichung der EU-Ziele zur Kreislaufwirtschaft dar, da aus Deutschland exportierten Kunststoffabfรคlle in die Recyclingquoten mit eingerechnet werden, unabhรคngig davon, was dann tatsรคchlich mit ihnen passiert.

Exit Plastik Kernforderungen

Deutschland gehรถrt zu den Industrielรคndern, die besonders viele Kunststoffabfรคlle erzeugen und in hohen Mengen Kunststoffabfรคlle exportieren โ€“ knapp 700.000 Tonnen im Jahr 2023. Deshalb trรคgt Deutschland eine besondere Verantwortung. Unser Plastikmรผllproblem muss in Deutschland gelรถst werden wobei Abfallvermeidung an erster Stelle stehen muss.

Das EU-Verfahren zur Gewรคhrung von Ausnahmen vom Verbringungsverbot fรผr Abfรคlle kรถnnte neue legale Wege fรผr die Verbringung von Abfรคllen schaffen. Wenn Ausnahmen gewรคhrt werden, wird die Verbringung unter dem Deckmantel der „Ressourcenrรผckgewinnung“ legitimiert. Wettbewerbsdruck entsteht, die regionale Zusammenarbeit wird untergraben, der Aufbau inlรคndischer Mehrweg- und Recycling-Kapazitรคten verzรถgert oder sogar verhindert, Umweltvorschriften werden geschwรคcht. Das darf nicht passieren!

Forderungen zur Abfallverbringungsverordnung:

  • Plastikmรผll muss in erster Linie vermieden werden, z.B. durch den flรคchendeckenden Ausbau von unverpackt-Angeboten und schadstofffreien und ressourcenschonenden Mehrwegsystemen.
  • Plastikmรผll sollte in dem Land behandelt und recycelt werden, in dem er produziert wurde.
    • Deutschland darf demnach gar keine Plastikmรผllexporte vornehmen.
    • Auf EU-Ebene sollte ein langfristiges Exportverbot fรผr alle Arten von Plastikmรผll in alle Nicht-EU-Staaten erwirkt werden โ€“ und keine Ausnahmeregeln erlaubt werden (auch nicht nach 2029)
  • Die Umsetzung des Basler รœbereinkommens und dessen ร„nderungen/Ergรคnzungen durch Unternehmen muss streng kontrolliert und bei nicht-Achtung strikt geahndet werden.
  • Illegaler Abfallhandel muss durch angemessene MaรŸnahmen verhindert und bekรคmpft werden.
  • Deutschland muss sich im Rahmen des Basler รœbereinkommens dafรผr einsetzen, dass Produkte, die Plastik enthalten, wie beispielsweise Textilien, auch unter die Codes A3210 (gefรคhrliche Kunststoffabfรคlle) oder Y48 (sonstige Kunststoffabfรคlle) eingestuft werden.
  • Deutschland muss fรผr die Beseitigung der Schรคden durch deutschen Plastikmรผll und die fachgerechte Sanierung von illegalen Mรผllhalden in Empfรคngerlรคndern Sorge tragen. Illegal verschiffter Plastikmรผll muss nach Deutschland zurรผckgefรผhrt und fachgerecht entsorgt werden.
    • Die Finanzierung der MaรŸnahmen muss gemรครŸ dem Verursacherprinzips von den verursachenden plastikproduzierenden Unternehmen รผbernommen werden.

Links:

Positionspapier zur kommunalen Verpackungssteuer

Ein Positionspapier der Initiative Verpackungswende

Kommunale Verpackungssteuern sind gegen den massiven Verbrauch von Einwegverpackungen ein wirksamer Hebel: Wรคhrend bisher grรถรŸtenteils die Allgemeinheit fรผr die Folgekosten der Einwegnutzung aufkommt, setzt die Steuer verursachergerecht bei denjenigen an, die trotz vorhandenen Mehrwegalternativen Einweg nutzen. Durch den finanziellen Anreiz fรถrdert sie die Nutzung von Mehrweg, reduziert so den Verbrauch von Einweg und entsprechend das Mรผllaufkommen im รถffentlichen Raum bei gleichzeitig vertretbarem Aufwand fรผr Gastronomie und Verwaltung.

In dem gemeinsamen Positionspapier der Initiative Verpackungswende spricht sich die Initiative fรผr kommunale Verpackungssteuern aus macht deutlich, welche Verรคnderungen jetzt nรถtig sind.

Die Initiative Verpackungswende ist ein Zusammenschluss aus Wirtschaftsunternehmen, Verbรคnden und Umweltorganisationen โ€“ darunter auch Exit Plastik.

Runder Tisch 2026

Wie gelingt die Plastikwende?

Wir laden Sie & Euch herzlich zu unserem Runden Tisch 2026 fรผr Angehรถrige von NGOs und Initiativen ein, die sich mit Plastik beschรคftigen:

EXIT PLASTIK
Runder Tisch fรผr NGOs โ€žWie gelingt die Plastikwende?โ€œ

Dienstag, 10. Februar 2026 | 10:00-17:00 Uhr
In den Rรคumen der Heinrich-Bรถll-Stiftung | Schumannstr. 8 | 10117 Berlin

Der Runde Tisch 2026 steht unter dem Motto โ€žWie gelingt die Plastikwende?โ€œ. Wir wollen den Blick auf die Krรคfte lenken, die hinter der Plastikkrise wirken โ€“ und auf die Mรถglichkeiten der Zivilgesellschaft, sie zu verรคndern. In interaktiven Formaten und Workshops beleuchten wir die kommunikativen, politischen und รถkonomischen Dimensionen der Plastikwende:

  • Welche Narrative prรคgen unsere Kommunikation รผber Plastik?
  • Wie kรถnnen wir das breite Bewusstsein fรผr das Problem Plastik produktiv nutzen?
  • Welche Interessen und Machtstrukturen stehen einer echten Wende entgegen
  • Und welche Allianzen brauchen wir, um Mรคrkte und Meinungen in Bewegung zu bringen?

Dazu erwarten euch eine Keynote von Dr. Melanie Bergmann, Wissensinputs zu aktuellen politischen Prozessen in Deutschland und der EU sowie Vernetzungsangebote und Workshops zu den kommunikativen, politischen und รถkonomischen Dimensionen der Plastikwende. Hier das Programm im Detail:

Programm Runder Tisch

9:30
Ankommen

9:30
10:00
Erรถffnung und BegrรผรŸung

10:00
10:15
Keynote von Dr. Melanie Bergmann

10:15
11:00
Wissensinput โ€žwas passiert gerade politischโ€ฆโ€œ

u.a. zu Chemikalien in Verpackungen, Einwegkunststofffond, Verpackungssteuer, Textilienrichtlinie, erweiterter Herstellerverantwortung und mehr

11:00
12:15
Zivilgesellschaftliches Speeddating

12:15
13:00
Mittagspause

13:00
14:00
Workshopphase

u.a. mit Einfรผhrung in die Advocacy-Arbeit, Kommunikationsworkshop, Macht- und Konzernpolitik und finanzielle und รถkonomische Komponente der Plastikkrise – mit u.a. der Facing Finance e.V. der Linken Medienakademie und Exit Plastik

14:00
16:30
Abschluss

16:30
17:00
Markt der Mรถglichkeiten*

NGOs stellen ihre Projekte vor

17:00
18:00
Abendveranstaltung

18:00

* Sie haben ein Projekt das Sie vorstellen wollen? Oder eine Studie zum berichten? Bringen Sie ihr Material mit. Wir werden nach dem runden Tisch und vor der Abendveranstaltung einen Raum zum Austausch und Prรคsentieren haben.

Abendveranstaltung: Podiumsdiskussion โ€žWege aus der Plastikkriseโ€œ

Im Anschluss an den Runden Tisch findet die รถffentliche Podiumsdiskussion zum Thema โ€žWege aus der Plastikkriseโ€œ statt. Wir freuen uns sehr, dass Melanie Bergmann und Antje von Brook bereits zugesagt haben. Auch hierzu laden wir herzlich ein.

Hinweise zur Teilnahme:

Die Teilnahme am Runden Tisch ist Angehรถrigen von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen vorbehalten. Der Eintritt ist frei. Wer von weiter weg anreist und Unterstรผtzung bei den Reisekosten benรถtigt, kann sich gerne direkt an uns wenden: kurz@forumue.de. Wir unterstรผtzen nach Mรถglichkeit. Die Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung mรถglich.

Anmeldung

Die Anmeldung ist ab sofort hier mรถglich:

Die Anmeldung erfolgt รผber die Website unserer Trรคgerorganisation HEJSupport e.V.. Die von Ihnen angegebenen Informationen werden von HEJSupport im Einklang mit unserer Datenschutzrichtlinie fรผr Exit Plastik verarbeitet und NICHT an Dritte weitergegeben.

Statement zu INC-5.2

Kein schwaches Abkommen auf Kosten von Umwelt und Gesundheit!

Die sechste Verhandlungsrunde des International Negotiation Committee zu einem UN-Plastikabkommen (INC-5.2) in Genf im August 2025 hat gezeigt: Die internationale Staatengemeinschaft ist noch weit entfernt von einer Einigung, die der Plastikkrise gerecht wird. Trotz alarmierender wissenschaftlicher Belege รผber die massiven Auswirkungen von Plastik und seinen Chemikalien auf Mensch und Umwelt blieb der notwendige Durchbruch aus.

Fรผr Exit Plastik steht fest: Unsere zentralen Forderungen fรผr ein wirksames Abkommen โ€“ klare Reduktionsziele fรผr die Produktion von Primรคrplastik, ein Verbot besonders schรคdlicher Polymere und Additive, Transparenz- und Rรผckverfolgbarkeitssysteme fรผr Chemikalien in Kunststoffen sowie das Recht der Bevรถlkerung auf eine gesunde Umwelt โ€“ wurden in den Verhandlungen nicht berรผcksichtigt oder sogar aktiv durch Petrostaaten blockiert. Stattdessen dominierten Interessen einer Handvoll Staaten, die an der Aufrechterhaltung des โ€žbusiness as usualโ€œ in der Plastikindustrie festhalten und lediglich auf end-of-pipe Lรถsungen setzen.

Ein Abkommen, das auf Minimalstandards hinauslรคuft, wird die Plastikkrise nicht lรถsen. Im Gegenteil: Es wรผrde den Status Quo fรผr lange Zeit zementieren und wertvolle Zeit vergeuden, in der sich die Schรคden fรผr Umwelt, Klima und Gesundheit weiter verschรคrfen.

Daher gilt: Kein Abkommen ist besser als ein schwaches Abkommen.

Ausblick

Die kommenden Monate mรผssen genutzt werden, um die Stimmen der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und besonders der betroffenen Gruppen deutlich stรคrker in den Prozess einzubringen. Optionen fรผr den weiteren Weg sind u.a.:

  • INC5.3 als letzte Verhandlungsrunde, mit dem Mut รผber konfliktreiche Themen abzustimmen, statt alleinig auf Konsens zu setzen
  • Eine Initiative von progressiven Staaten oder der High Ambition Coalition fรผr ein ambitioniertes Abkommen auรŸerhalb des UN-Systems
  • Zusรคtzlich, wo es mรถglich ist, die Aufnahme von verbindlichen MaรŸnahmen in anderen Konventionen wie z.B. der Basel Konvention

Dabei fordern wir weiterhin:

  • Klarer Fokus auf Produktionsreduktion statt allein auf Abfallmanagement.
  • Verbindliche Listen fรผr problematische Polymere, Additive und Einwegprodukte.
  • Globale Regeln fรผr Transparenz und Rรผckverfolgbarkeit von Chemikalien in Kunststoffen.
  • Formulierungen zum Thema Gesundheit beibehalten und rechtlich verbindliche Verpflichtungen dazu ausarbeiten.
  • Stรคrkung von Rechten und Gerechtigkeit, insbesondere fรผr Menschen im Globalen Sรผden, die am stรคrksten betroffen sind.

Exit Plastik wird sich weiterhin dafรผr einsetzen, dass ein Abkommen zustande kommt, das die Ursachen der Plastikkrise angeht und nicht deren Symptome verwaltet. Nur ein starkes, ambitioniertes und gerechtes Abkommen kann die Plastikkrise und ihre verheerenden Folgen wirksam stoppen.

https://exit-plastik.de/plastics-treaty/

Steckbrief Plastik

Einwegkunststofffondsgesetz

Das Einwegkunststofffondsgesetz verpflichtet Hersteller von bestimmten Einwegplastikprodukten wie To-Go-Bechern, leichten Tragetaschen, Luftballons und Tabakfiltern zur Zahlung einer Abgabe.
Der Fonds soll die Kommunen bei den Kosten fรผr die Beseitigung und Entsorgung von Einwegplastikmรผll entlasten und fรผr SensibilisierungsmaรŸnahmen genutzt werden. Die Hรถhe der Zahlung richtet sich nach der Menge der auf dem Markt bereitgestellten oder verkauften Produkte.

Das Gesetz wurde am 11. Mai 2023 verkรผndet und ist am 1. Januar 2024 in Kraft getreten. Ab 2025 sollen die betroffenen Plastikhersteller in den vom Umweltbundesamt verwalteten Fonds einzahlen (Berechnungsgrundlage: 2024 in Verkehr gebrachte Produktmenge). Ab 2026 gilt dies auch fรผr Hersteller von Feuerwerkskรถrpern.

Relevanz fรผr Plastik

Hersteller und Inverkehrbringer von Plastik und Plastikprodukten mรผssen Teil der Lรถsung des von ihnen mitverursachten Problems sein. GemรครŸ dem Verursacherprinzip bedeutet eine ernstzunehmende Herstellerverantwortung u.a. die konsequente Internalisierung der Gesundheits-, Klima- und Umweltkosten von Kunststoffprodukten entlang des gesamten Lebenszyklus. Das EWKFondsG ist ein erster Schritt, um dies in der Abfallwirtschaft umzusetzen.

Exit Plastik Kernforderungen

Die durch das EWKFondsG vorgesehene Kostenรผbernahme durch Hersteller und Inverkehrbringer ist ein wichtiger erster Schritt zur Umsetzung des Verursacherprinzips. Die Hรถhe der Abgabe reicht jedoch nicht aus, um eine Lenkungswirkung in Richtung einer Verringerung der Produktion von Einwegplastikprodukten und -verpackungen und damit mehr Ressourcen-, Klima- und Gesundheitsschutz zu erzielen. Es bedarf weiterer gesetzlicher MaรŸnahmen, um Vermeidung und Wiederverwendung zu fรถrdern und Hersteller und Inverkehrbringer fรผr die Sicherheit und Umweltvertrรคglichkeit ihrer Produkte und Verpackungen รผber den gesamten Lebenszyklus in die Verantwortung zu nehmen.

Forderungen zum Einwegkunststofffondsgesetz:

  • Policy-Mix mit Fokus auf der Vermeidung von Plastik durch MaรŸnahmen zur Verringerung der Plastikproduktion sowie zur Vermeidung von Problemverlagerungen, etwa durch den Ersatz von Einwegplastik durch andere Einwegmaterialien wie Papier oder Aluminium. Durch:
    • Einfรผhrung einer allgemeinen Einwegverpackungssteuer,
    • konkrete und ambitionierte Verpackungsreduktionsziele,
    • verbindliche Mehrwegquoten in allen Bereichen.
  • Erweiterung der Palette an Plastikprodukten fรผr welche eine Abgabe im Rahmen des EWKFondsG gezahlt werden muss.
  • Ausweitung des Einwegkunststofffonds zu โ€žAnti-Littering-Fondsโ€œ, um Einwegprodukte aus anderen Materialien mit einzuschlieรŸen (z.B. Aluminiumschalen, Papierverpackungen etc.).
  • Es muss sichergestellt werden, dass Hersteller und Inverkehrbringer die Kosten tragen und diese nicht รผber hรถhere Preise auf die Verbraucher*innen abwรคlzen. Das bedeutet, dass Produkte fรผr Verbraucher*innen durch die Abgaben fรผr den Einwegkunststofffonds oder eine Einwegsteuer nicht teurer werden dรผrfen).

Links:

Supermarket Audits

Das ungenutzte Potenzial von Geschรคften im Kampf gegen Plastikverschmutzung

Ein neuer Bericht von #BreakFreeFromPlastic รผberprรผft Supermรคrkte weltweit hinsichtlich ihrer Geschรคftspraktiken im Zusammenhang mit Plastik und kommt zu dem Ergebnis, dass sie bei weitem nicht genug tun, um die Menge an Plastikmรผll zu reduzieren.

Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines globalen Citizen-Science-Projekts erzielt. Mehr als 36 Organisationen erhoben in fast 500 Geschรคften in 27 Lรคndern mithilfe von Fragebรถgen Daten, um zu untersuchen, wie Supermรคrkte zur Reduzierung oder Verbreitung von Einwegkunststoffen beitragen.

Die wichtigsten Ergebnisse des SupermarketAudits:

  • Geschรคfte fรผhren MaรŸnahmen zur Reduzierung von Plastik nur langsam ein, wenn sie nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, obwohl Beispiele aus aller Welt zeigen, dass sie machbar sind und von den Verbrauchern weitgehend akzeptiert werden.
  • Nur wenige Geschรคfte haben eine Abteilung fรผr lose Trockenwaren (14 %) oder verzichten auf Plastiktรผten fรผr Obst und Gemรผse (11 %).
  • 44 % der geprรผften Geschรคfte bieten Flaschenpfandsysteme an, jedoch hauptsรคchlich in Deutschland (96 %); auรŸerhalb Deutschlands sind es nur 17 %, was zeigt, dass die Gesetzgebung eine entscheidende Rolle spielt.
  • 58 % haben Einweg-Tragetaschen verboten oder erheben eine Gebรผhr dafรผr, wahrscheinlich aufgrund von Vorschriften in รผber 100 Lรคndern.
  • 53 % verkaufen wiederverwendbare Einkaufstaschen aus Segeltuch als Alternative

Website zum Bericht

Pressemitteilung von BFFP zur Verรถffentlichung des Berichts

Kompass Chemikalienpolitik

Eine Einfรผhrung in die Chemikalienpolitik aus zivilgesellschaftlicher Perspektive

Mit diesem Kompass zeigt das Bรผndnis  Giftfreie Zukunft auf, warum eine kohรคrente, ambitionierte und wirksame Chemikalienpolitik unverzichtbar ist โ€“ und wie ihr selbst aktiv zu ihrem Gelingen beitragen kรถnnt.

Website zum Kompass

14./15. August 2025

Pressemitteilung von Break Free From Plastik zum Abschluss von INC 5.2

Die Zivilgesellschaft bleibt standfest angesichts eines durchgรคngig fehlerbehafteten Verhandlungsprozesses zum Plastikabkommen und fordert die Lรคnder auf, entschlossene MaรŸnahmen zu ergreifen

Genf, Schweiz โ€“ Die wiederaufgenommene fรผnfte Sitzung des Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschusses (INC-5.2) fรผr ein globales Abkommen zur Beendigung der Plastikverschmutzung wurde nach einem chaotischen Prozess vertagt, der die Verhandlungen zwar um einen Tag verlรคngerte, der aber ohne eine klare Einigung รผber das weitere Vorgehen endete. Die Zivilgesellschaft fordert die Staats- und Regierungschefs der Welt nachdrรผcklich auf, sich weiterhin fรผr ein starkes, rechtsverbindliches Abkommen einzusetzen, das die Kunststoffproduktion reduziert und die menschliche Gesundheit, die Menschenrechte und die Umwelt schรผtzt.

Trotz fehlender Mรถglichkeiten fรผr Interventionen und eingeschrรคnktem Zugang wรคhrend des gesamten Prozesses haben indigene Vรถlker, Frontline- und Fenceline-Gemeinden, Mรผllsammler*innen, Arbeiter*innen, Wissenschaftler*innen und die Zivilgesellschaft ihre Standpunkte konsequent in den Mittelpunkt dieser von Unternehmen dominierten Verhandlungen gebracht. Ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Fachkenntnisse haben maรŸgeblich dazu beigetragen, die Debatte รผber die Plastikverschmutzung von einem engen Fokus auf Meeresmรผll zu einer weit verbreiteten Erkenntnis zu verlagern, dass Plastik in seinem gesamten Lebenszyklus die Umwelt verschmutzt. Sie haben durchweg die Verpflichtung der verhandelnden Lรคnder hervorgehoben, die menschliche Gesundheit und die Menschenrechte in den Mittelpunkt der Vertragsverhandlungen zu stellen.

Es ist nicht zu verhehlen, dass die gesamten Verhandlungen von der petrochemischen Industrie dominiert wurden. Eine Untersuchung des Center for International Environmental Law (CIEL) ergab, dass sich im Lauf der Jahre zunehmend Lobbyisten der fossilen Brennstoff- und Chemieindustrie fรผr die Teilnahme an den einzelnen Verhandlungsrunden zum Plastikvertrag registriert haben, sodass bei der INC-5.2 schlieรŸlich 234 Lobbyisten anwesend waren. Diese Schรคtzungen sind wahrscheinlich konservativ, da nur diejenigen Lobbyisten gezรคhlt wurden, die ihre Verbindungen offenlegen.

Wรคhrend die Delegierten Genf verlassen, betonen Beobachter die Notwendigkeit eines klaren und effektiven Prozesses, der sicherstellt, dass die Mehrheit der Lรคnder zusammenarbeiten kann, um das Mandat zu erfรผllen, das sie in die Schweiz gebracht hat โ€“ nรคmlich die Welt und zukรผnftige Generationen vor Plastikverschmutzung zu schรผtzen. In den letzten zehn Tagen hat sich eine Mehrheit der Lรคnder auf weitere Schlรผsselelemente fรผr einen wirkungsvollen Vertrag geeinigt und einen schwachen Vertragstext abgelehnt; nun mรผssen sie ihre Worte in kollektives und entschlossenes Handeln umsetzen. Unterdessen geht der Kampf gegen die Plastikverschmutzung weltweit in verschiedenen Formen weiter. An vorderster Front stehende Gemeinden gehen โ€“ auch mit Rechtsmitteln โ€“ gegen schรคdliche Anlagen und Praktiken wie die Produktion und Expansion der Petrochemie, die Verbrennung von Abfรคllen und den Abfallkolonialismus vor. NGOs und Gemeinden unterstรผtzen gemeinsam mit lokalen Behรถrden und (kleinen) Unternehmen strenge Regulierungsrahmen auf nationaler und lokaler Ebene und setzen gleichzeitig Zero-Waste-Lรถsungen um, darunter Wiederverwendungs- und Nachfรผllsysteme, um den Weg in eine Zukunft ohne Plastikverschmutzung zu ebnen.

Die letzten 24 Stunden

Der Verhandlungsprozess INC-5.2 war von vielen Mรคngeln und anhaltenden Herausforderungen geprรคgt, wie die รผberraschende Erklรคrung des INC-Vorsitzenden kurz vor Mitternacht am vermeintlich letzten Verhandlungstag zeigte โ€“ nach stundenlangen Verzรถgerungen, die Minister, Delegierte und Beobachter gleichermaรŸen warten und im Unklaren lassen mussten โ€“, in der er ankรผndigte, dass die Sitzung bis zu einem โ€žnoch festzulegendenโ€œ Zeitpunkt am folgenden Tag vertagt werde. Die Plenarsitzung wurde um 5:30 Uhr morgens mit nur kurzer Vorankรผndigung wieder aufgenommen, was fรผr die kleinen Delegationen aus dem Globalen Sรผden eine besondere Belastung darstellte. Der Vorsitzende bemerkte auch, dass die Sitzung nach den Beitrรคgen der Beobachter vertagt werden wรผrde, tat dies dann aber doch nicht โ€“ und setzte damit den Trend der begrenzten Beteiligung von Zivilgesellschaft, Wissenschaftlern, Mรผllsammlern und indigenen Vรถlkern wรคhrend der gesamten Verhandlungen fort.


Mitglieder von Break Free From Plastic reagieren auf das Ende des Plastikvertrags INC-5.2:

Fabienne McLellan, Geschรคftsfรผhrerin von OceanCare (Schweiz), sagte:

โ€žTrotz des enttรคuschenden Ergebnisses haben diese Verhandlungen sowohl das Beste als auch das Schlechteste der multilateralen Diplomatie gezeigt. Wir wurden Zeugen leidenschaftlicher Bemรผhungen von รผber 120 Lรคndern โ€“ darunter fortschrittliche Staats- und Regierungschefs wie Kolumbien, Panama, Fidschi, GroรŸbritannien und die EU โ€“, die sich trotz des enormen Drucks der petrochemischen Staaten fรผr wissenschaftlich fundierte MaรŸnahmen einsetzten. Der Prozess selbst รคhnelte eher den Klimakonferenzen der COP als traditionellen Umweltabkommen, mit dem gleichen heftigen Widerstand von Seiten der Interessengruppen, aber auch einer bemerkenswerten Entschlossenheit der Mehrheit, echte MaรŸnahmen voranzutreiben. Ermutigend ist, dass dadurch Koalitionen gebildet und das globale Bewusstsein fรผr die Plastikverschmutzung auf eine Weise geschรคrft wurde, wie wir es noch nie zuvor gesehen haben.โ€œ

Larisa Orbe, Acciรณn Ecolรณgica Mรฉxico (Mexiko), sagte:

โ€žOrganisationen, die tรคglich die Auswirkungen der Plastikverschmutzung auf Gemeinden und die Natur sehen, werden nicht aufgeben. Wir werden weiterhin fรผr eine plastikfreie Welt kรคmpfen, indem wir in unseren Lรคndern MaรŸnahmen zum Schutz der Umwelt fรถrdern, und wir sind bereit, unsere Regierungen weiterhin dabei zu unterstรผtzen, sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Die letzten Jahre waren fรผr die Organisationen, die die Verhandlungen verfolgt haben, eine groรŸartige Lernerfahrung. Wir sind bereit, weiter zu kรคmpfen und Fortschritte zu erzielen, damit zukรผnftige Generationen aller Lebewesen in einer Welt ohne Plastik leben kรถnnen.โ€œ

Jo Banner, Mitbegrรผnder von The Descendants Project (USA), sagte:

โ€žObwohl die aktuelle Verhandlungsrunde zur Ausarbeitung eines Abkommens gegen Plastikverschmutzung gescheitert ist, ist sie ein Schritt vorwรคrts auf dem Weg zur Entwicklung eines Instruments, das die am stรคrksten betroffenen Gemeinden schรผtzen wird. Gemeinden in der Nรคhe von Industrieanlagen, wie meine in Louisianas โ€žCancer Alleyโ€œ, leiden enorm unter der Gewinnung und Produktion von Plastik. Es ist ermutigend zu sehen, dass die Mehrheit der Lรคnder unseren Begehren Gehรถr schenkt und sich gegen die ร–lstaaten wehrt, die uns mit Mรผll รผberschรผtten und mit giftigen Chemikalien ersticken wollen, indem sie sich weiterhin fรผr die Kunststoffproduktion einsetzen. Dagegen kรคmpfen die von Umweltverschmutzung betroffenen Gemeinden weiter und sind mehr denn je entschlossen, an der Erreichung eines wirksamen Abkommens mitzuwirken. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Mitgliedstaaten ihren Beitrag leisten. Unsere Bewegung wird nur noch stรคrker werden, wenn wir weiterhin mit Wissenschaftler*nnen, Finanzexpert*innenen, indigenen Wissensinhaber*innen und anderen Vorkรคmpfer*innen zusammenarbeiten und ein Ende der Kunststoffproduktion fordern. Es ist an der Zeit, die Ketten der modernen Sklaverei des Kunststoffs zu sprengen und die Gemeinden zu befreien, die schon viel zu lange mit der Aufopferung ihrer Menschenrechte leben mรผssen.

Pui Yi Wong, Forscherin beim Basel Action Network (Malaysia), sagte:

โ€žDieser Verhandlungsprozess bei den INCs zum Plastikabkommen ist grundlegend fehlerhaft. Seit mehr als zwei Jahren werden dieselben Argumente wiederholt, ohne dass eine Einigung in Sicht ist. Wir sollten keine weitere wertvolle Zeit und Ressourcen verschwenden, indem wir dasselbe tun und ein anderes Ergebnis erwarten. Der Prozess muss geรคndert werden, einschlieรŸlich der Erwรคgung einer Abstimmung zur Entscheidungsfindung. Die Plastikkrise verschรคrft sich von Sekunde zu Sekunde. Fรผr den Globalen Sรผden ist es wichtig zu wissen, dass weiterhin Millionen Kilogramm Plastikmรผll in Lรคnder mit niedrigem Einkommen exportiert werden, was deren nationale Abfallentsorgungssysteme รผberfordert. Mehrere Lรคnder des Globalen Sรผdens hatten gefordert, dass alle Exporte von Plastikmรผll im Rahmen des Vertragsabkommens vorab gemeldet und genehmigt werden mรผssen, aber ihre Forderungen wurden von anderen Mitgliedstaaten ignoriert. Dies, zusammen mit der fehlenden Transparenz รผber Chemikalien und der Verweigerung der Abschaffung gefรคhrlicher Chemikalien, setzt die Empfรคngerlรคnder und -gemeinden ernsthaften Gefahren aus.โ€œ

Rico Euripidou, Chemikalien und Kampagnenunterstรผtzung, groundWork South Africa (Sรผdafrika), sagte:

โ€žPlastik schadet der Gesundheit in seinem gesamten Lebenszyklus. Insbesondere รผber die Chemikalien, die Kunststoff hinzugefรผgt werden, um ihm die gewรผnschten Eigenschaften zu verleihen, gibt es zahlreiche wissenschaftlichen Beweise fรผr die Gesundheitsschรคden durch Kunststoff. Um die schรคdlichsten dieser Chemikalien, die routinemรครŸig Kunststoff und Kunststoffprodukten zugesetzt werden, anzugehen, mรผssen die Rรผckverfolgbarkeit und Nachverfolgung dieser Chemikalien neben Elementen zur Messung der Gesundheitsschรคden in dem kรผnftigen Vertrag eine zwingende Voraussetzung sein.โ€œ

Weitere Reaktionen von BFFP-Mitgliedern und Verbรผndeten (einschlieรŸlich weiterer Lรคnder und Sprachen) werden hier hinzugefรผgt: FINAL – End of INC-5.2 Media Quotes Sheet