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Lebensmittel ohne Plastik für alle

Lebensmittel ohne Plastik für alle!

Fordere mit uns politische Maßnahmen für Lebensmittel ohne Plastik für alle!

Wer heute in Deutschland Lebensmittel einkauft, kann Plastik kaum noch entkommen. Unsere Nahrung ist standardmäßig von Kunststoff umhüllt[1] – und damit von einem fossilen Material, das niemals verrottet,[2] sondern sich zersetzt, abreibt und mitsamt einer Vielzahl oft toxischer chemischer Stoffe in unsere Lebensmittel übergehen kann.[3] Der Supermarkt ist längst ein Ort alltäglicher Plastikbelastung geworden.[4]


[1] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index.

[2] UNEP (2023): Turning off the Tap: How the World Can End Plastic Pollution and Create a Circular Economy.

[3] Geueke B. et al. (2023): Systematic evidence on migrating and extractable food contact chemicals. Critical Reviews in Food Science and Nutrition.

[4] Fauroux M., Boucher J., Perreard S. (2026): From Pack to Plate: A Global Assessment of Micro- and Nanoplastics Migrating from Food Packaging into Food. Earth Action.

Rund 66 % unserer Lebensmittel und Getränke werden in deutschen Supermärkten in Kunststoffbehältnissen oder – verpackungen verkauft – bei Fleisch und Fisch (ca. 84 %), Molkereiprodukten (ca. 83 %) und Getränken (ca. 80 %) ist Plastik praktisch Standard.[1] Damit ist Kunststoff zur dominierenden Schnittstelle zwischen Nahrung und menschlichem Körper geworden.[2]

Diese Situation ist kein Zufall. Noch in den 1950er-Jahren wurden Lebensmittel überwiegend lose oder in Glas, Papier und Metall verkauft. Mit der massenhaften Einführung von Einwegkunststoffen seit den 1970er- und 1980er-Jahren wurden Mehrweg- und Thekensysteme systematisch zurückgedrängt[3] – zugunsten eines hochgradig plastikabhängigen Vertriebssystems, dem sich Verbraucher:innen  heute kaum entziehen können.[4]


[1] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index.

[2] Fauroux M., Boucher J., Perreard S. (2026): From Pack to Plate: A Global Assessment of Micro- and Nanoplastics Migrating from Food Packaging into Food. Earth Action.

[3] Umweltbundesamt (UBA) (2012): Historische Entwicklung von Verpackungen und Verpackungsabfällen in Deutschland. Dessau-Roßlau.

[4] Fernie J, Sparks L (eds.) (2004): Logistics and Retail Management.

Was heute wissenschaftlich eindeutig ist: Kunststoffverpackungen können winzige Mikro- und Nanoplastikpartikel sowie weitere chemische Bestandteile aus der Verpackung in unsere Lebensmittel abgeben.[1] Dieser Übergang findet nicht nur im Labor statt, sondern im ganz normalen Alltag – durch Drücken, Knicken, Öffnen, Transport, Erhitzen, Einfrieren oder den Kontakt mit Fett und Säure. Gerade heiße, fetthaltige oder saure Lebensmittel fördern diese Abgabe besonders stark – und genau diese Produkte werden besonders häufig in Kunststoff verkauft.[2]

Damit können Plastikpartikel zusammen mit einer Vielzahl von oft unbekannten chemischen Stoffen aus der Verpackung in die Nahrung gelangen – und von dort in unsere Körper.[3] Kleinere Partikel, insbesondere im Nano- und Submikrometerbereich, können biologische Barrieren überwinden und sich im Organismus verteilen. Studien zeigen, dass sie in den Blutkreislauf gelangen und längst fast alle unsere Organe erreicht haben, vom Gehirn bis hin zur Plazenta ungeborener Kinder. Parallel verdichten sich Hinweise, dass Mikro- und Nanoplastik Entzündungsprozesse, zellulären Stress und Störungen zentraler biologischer Systeme begünstigen, mit möglichen Bezügen zu Herz-Kreislauf-, Immun- und Stoffwechselerkrankungen.[4]

Die wissenschaftlichen Befunde sind alarmierend:
Eine Übersichtsstudie fand in mehr als 150 Fällen Mikro- oder Nanoplastik in Lebensmitteln oder Modell-Lebensmitteln, die mit für den Lebensmittelkontakt vorgesehenen Kunststoffmaterialien wie Plastikverpackungen in Berührung kamen.[5] Das ist kein Einzelfund – es ist ein systembedingtes Muster.


[1] Food Packaging Forum / npj Science of Food (2025): Systematic evidence map on micro- and nanoplastics from food contact articles.

[2] Food Packaging Forum (2025) Evidence Map.

[3] FAO (2022): Microplastics in food commodities.

[4] Yang Y., et al. (2025): Micro- and nanoplastics in the human body: toxicokinetics, biological barriers and organ distribution.

[5] Hernandez LM et al. / Food Packaging Forum (2025): Systematic evidence map of micro- and nanoplastics from food contact articles.

Diese Gesundheitsbelastung ist zugleich eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Menschen mit geringem Einkommen und gerade Familien kaufen überwiegend dort ein, wo Plastik am dominierendsten ist: in Discountern. Diese Märkte enthalten ihren Kund:innen systematisch verpackungsarme Alternativen vor – Frischetheken, lose Ware oder Mehrwegangebote fehlen dort fast vollständig. Günstige Eigenmarken sind nahezu immer in Einwegplastik verpackt.[1]

Wer auf verpackungsfreie oder verpackungsarme Alternativen ausweichen möchte, findet diese meist nur in Bioläden, Unverpackt-Geschäften oder auf Wochenmärkten – häufig teurer und räumlich schlechter erreichbar. Das Ergebnis ist ein struktureller Zwang: Wer weniger Geld hat, ist im Alltag stärker Plastik und damit höheren Gesundheitsrisiken ausgesetzt.[2]


[1] Deutsche Umwelthilfe (DUH) (2024): Supermarktcheck Plastik. Berlin.

[2] Umweltbundesamt (UBA) (2025): Umweltgerechtigkeit – Umwelt, Gesundheit und soziale Lage. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt.

Besonders brisant ist, dass ein großer Teil dieser Belastung vermeidbar wäre. Nahezu 48 % der untersuchten Lebensmittelverpackungen aus Plastik gelten als unnötig oder problemlos ersetzbar.[1] In Deutschland entstehen dadurch jedes Jahr rund 38,6 Milliarden überflüssige Plastikverpackungen für Lebensmittel – und eine dauerhaft steigende Plastikbelastung für Mensch und Umwelt.


[1] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index. London: Retail Economics / DS Smith.

Die wissenschaftlichen Hinweise sind heute so eindeutig, dass weiteres Abwarten unverantwortlich ist. Das Vorsorgeprinzip verpflichtet Politik und Wirtschaft zum Handeln – jetzt!

Das Vorsorgeprinzip – fest verankert im EU-Recht und in Deutschland – bedeutet: Sobald ein plausibles Risiko für Umwelt oder Gesundheit erkennbar ist, müssen vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden – bevor der letzte wissenschaftliche Beweis für jedes Detail vorliegt.[1]

Genau das ist hier der Fall. Die Evidenz zu Mikro- und Nanoplastik ist erdrückend: Der Übergang aus Verpackungen in Lebensmittel – mitsamt oft toxischen oder unbekannten chemischen Stoffen -, ihre Aufnahme in den Körper, biologische Wirkungen auf Zellen und Entzündungsprozesse sind vielfach belegt. Gleichzeitig zerfällt Plastik weiter – die Belastung wächst jeden Tag.[2] [3]

Nicht zu handeln, obwohl diese Risiken klar benannt sind, ist politisches und wirtschaftliches Wegsehen – auf Kosten der Gesundheit von Millionen Menschen.
Das Vorsorgeprinzip verpflichtet Staat und Unternehmen, diese Belastung zu reduzieren. Jeder weitere Aufschub ist unverantwortlich.


[1] European Commission (2000): Communication from the Commission on the Precautionary Principle (COM(2000) 1 final). Brussels: European Commission.

[2] University of Birmingham (2025): Global plastic pollution treaty essential to tackle growing health risks to all life on Earth.

[3] Food Packaging Forum / npj Science of Food (2025): Systematic evidence map on food contact materials and MNP.

Jetzt die Petition unterzeichnen:

Für Lebensmittel ohne Plastik für alle!

    Petition teilen:

    Petition an Bundesumweltminister Carsten Schneider

    Sehr geehrter Herr Bundesumweltminister Schneider,

    immer mehr wissenschaftliche Studien zeigen, dass unsere Lebensmittel durch Kunststoffverpackungen mit Mikro- und Nanoplastik sowie darin enthaltene weitere chemische Verpackungsbestandteile belastet werden – und dass diese Stoffe in den menschlichen Körper gelangen können.[1] Die Hinweise auf mögliche gesundheitliche Folgen sind so zahlreich und besorgniserregend, dass weiteres Abwarten nicht verantwortbar ist.[2] Selbst dort, wo noch Forschungsbedarf besteht, greift das Vorsorgeprinzip:[3] Wenn ein plausibles Risiko besteht, muss gehandelt werden. Deshalb wenden wir uns mit einer dringenden Forderung an Sie:

    Alle Menschen in Deutschland müssen die Möglichkeit haben, Lebensmittel ohne Kunststoffverpackungen in gängigen Supermärkten und Discountern – und ohne Preisaufschlag – kaufen zu können.

    Dieses Recht existiert heute nicht. Für die meisten Menschen ist der Alltagseinkauf zwangsläufig mit Kunststoffverpackungen verbunden[4] – und damit mit einer vermeidbaren Belastung durch Mikro- und Nanoplastik sowie weiteren chemischen Verpackungsbestandteilen, die in Lebensmittel übergehen können. Besonders betroffen sind Kinder, Familien und Menschen mit geringem Einkommen, die kaum Zugang zu verpackungsarmen Alternativen haben.[5]

    Die Fakten sind eindeutig:

    • Über 50 % der vom Menschen aufgenommenen Plastikpartikel stammen aus Lebensmitteln und Getränken.[6]
    • Fast die Hälfte der heutigen Lebensmittelverpackungen aus Plastik ist unnötig oder durch andere Materialien ersetzbar.[7]
    • Plastikarme und plastikfreie Mehrwegangebote, lose Ware und verpackungsarme Systeme funktionieren – sie werden im Massenmarkt jedoch nicht bereitgestellt.

    Damit werden Tag für Tag vermeidbare Gesundheitsrisiken in Kauf genommen, obwohl praktikable und sichere Alternativen existieren.

    Das Vorsorgeprinzip, das in Deutschland und der EU gilt, verpflichtet dazu, bei erkennbaren Risiken für Gesundheit und Umwelt präventiv zu handeln – bevor irreversible Schäden für Verbraucher:innen entstehen. Die wissenschaftliche Lage zu Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln ist heute so eindeutig, dass weiteres Abwarten nicht mehr zu rechtfertigen ist.[8]

    Nicht zu handeln bedeutet, die schleichende Belastung unserer Lebensmittel und unserer Körper fortzusetzen. Plastik zerfällt und gibt Schadstoffe ab – und mit jeder weiteren Einwegverpackung wächst die Belastung.[9]

    Wir fordern Sie daher auf, die politischen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein flächendeckendes, bezahlbares und barrierefreies Angebot an plastikfreien oder stark verpackungsreduzierten Lebensmitteln entsteht.

    Das bedeutet konkret:

    • Plastikfreie Mehrweg-Poolsysteme für Lebensmittel systematisch aufzubauen und zu fördern,
    • verpackungsfreie oder -arme Optionen verbindlich in Supermärkten und Discountern einzuführen,
    • Preisgleichheit zwischen Einweg und Mehrweg sicherzustellen,
    • und alle Maßnahmen am Vorsorgeprinzip auszurichten – besonders zum Schutz von Kindern und einkommensschwachen Haushalten.

    Das Recht auf gesunde Nahrung darf nicht vom Geldbeutel oder vom Wohnort abhängen. Heute jedoch zwingt das bestehende System Millionen Menschen dazu, ihre Lebensmittel in Kunststoff zu kaufen – und damit bei jedem Einkauf eine vermeidbare Gesundheitsbelastung in Kauf zu nehmen.

    Schützen Sie unsere Gesundheit. Helfen Sie mit, ein Ernährungssystem zu schaffen, das niemanden gefährdet und allen Menschen den Zugang zu sicheren, plastikfreien Lebensmitteln ermöglicht.


    [1] Food Packaging Forum / npj Science of Food (2025): Systematic evidence map of micro- and nanoplastics from food contact articles.

    [2] Yang Y. et al. (2025): Micro- and nanoplastics in the human body: toxicokinetics, biological barriers and organ distribution.

    [3] European Commission (2000): Communication from the Commission on the Precautionary Principle (COM(2000) 1 final). Brussels: European Commission.

    [4] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index. London: Retail Economics / DS Smith

    [5] Umweltbundesamt (UBA) (2025): Umweltgerechtigkeit – Umwelt, Gesundheit und soziale Lage. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt.

    [6] FAO (2022): Microplastics in Food Commodities – A Food Safety Review on Human Exposure through Dietary Sources. Rome: FAO.

    [7] Retail Economics & DS Smith (2024): The Material Change Index. London: Retail Economics / DS Smith.

    [8] University of Birmingham (2025): Global plastic pollution treaty essential to tackle growing health risks to all life on Earth.

    [9] Muncke J. et al. (2020): Impacts of food contact chemicals on human health. Environment International.

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    Publikum bei einer Konferenz zu Plastikmüllexporten

    NGO-Workshop zu Plastikmüllexporten mit Dr. Sedat Gündoğdu

    08. Juni 2026 | Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

    Seit dem Importstopp Chinas für Plastikmüll im Jahr 2018 hat sich die Türkei zu einem der wichtigsten Zielländer für Plastikmüllexporte aus Europa – insbesondere aus Deutschland – entwickelt. Immer wieder werden dabei erhebliche Umwelt-, Gesundheits- und Klimafolgen dokumentiert. Recherchen und Untersuchungen zeigen, dass importierte Abfälle teilweise unsachgemäß behandelt, illegal entsorgt oder offen verbrannt werden. Auch illegale Plastikmüllexporte von Deutschland in die Türkei wurden wiederholt nachgewiesen.

    Vor diesem Hintergrund bringt Exit Plastik am 8. Juni Vertreter:innen der Zivilgesellschaft zu einem Workshop über den Plastikmüllhandel zwischen Deutschland und der Türkei zusammen. Gemeinsam mit dem Meeresbiologen und Forscher zu Plastikverschmutzung Dr. Sedat Gündoğdu diskutieren wir aktuelle Entwicklungen, politische Herausforderungen und regulatorische Veränderungen im Bereich der Plastikmüllexporte.

    Dr. Sedat Gündoğdu forscht seit vielen Jahren zu den Auswirkungen des Plastikmüllhandels zwischen Deutschland, dem EU-Raum und der Türkei auf Klima, Umwelt und Governance. Er ist Meeresbiologe an der Çukurova Universität und aktuell Mercator-IPC-Stipendiat (2025/26) am Istanbul Policy Center der Sabancı Universität. Darüber hinaus hat er zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zum Thema veröffentlicht und an Dokumentationen wie „Plastic People“ mitgewirkt.

    Ein Schwerpunkt des Workshops liegt auf der neuen EU-Verordnung über die Verbringung von Abfällen. Ab November 2026 muss die EU die Ausfuhr von Plastikabfällen in Nicht-OECD-Länder einstellen. Für OECD-Länder wie die Türkei gilt dieses Verbot jedoch nicht. Dadurch besteht die Sorge, dass künftig noch mehr Plastikmüll in die Türkei exportiert wird. Zudem zeigen die vergangenen Jahre, dass bestehende Kontroll- und Überwachungsmechanismen häufig nicht ausreichend funktioniert haben.

    Im Mittelpunkt des Austauschs stehen:

    • Umwelt- und Klimafolgen deutscher Plastikmüllexporte in die Türkei
    • Aktuelle Entwicklungen der EU-Abfallpolitik
    • Die Wirksamkeit neuer regulatorischer Regelungen
    • Politische Wege zu strengeren Beschränkungen oder einem Ausstieg aus Plastikmüllexporten

    Der Workshop findet am 8. Juni 2026 in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin statt. Eine Online-Teilnahme ist ebenfalls möglich. Die Veranstaltung richtet sich an Vertreter:innen zivilgesellschaftlicher Organisationen, die zu Plastikverschmutzung, Umweltgerechtigkeit und Abfallpolitik arbeiten.

    Online Kurs:

    Plastikkrise: Gesundheit, Umwelt und Regulierung

    In diesem kostenlosen Online-Kurs von Health and Environmental Justice Support geht es um die Umweltverschmutzung durch Plastik – besonders um die schädlichen Chemikalien, die in vielen Plastikprodukten enthalten sind. Dabei schauen wir uns an, warum diese Chemikalien problematisch sind, wie sie in die Umwelt gelangen und welche Auswirkungen sie auf unsere Gesundheit und die Natur haben können.

    Der Kurs stützt sich auf Erkenntnisse aus wichtigen Berichten und stellt außerdem aktuelle Gesetze vor.

    Ziel des Kurses ist es, ein besseres Verständnis dafür zu vermitteln, welche Kunststoffe besonders problematisch sind, warum es wichtig ist, genau zu wissen, welche Chemikalien in einem Produkt stecken – und was wir tun können, um die Umwelt und unsere Gesundheit besser zu schützen.

    Trinkwasserzugang im öffentlichen Raum

    Öffentlich unterversorgt:Warum wir mehr öffentlicheTrinkbrunnen brauchen

    Das Hintergrund Papier von Bündnismitglied a tip: tap e.V. zeigt auf warum der Zugang zu öffentlichen Trinkbrunnen in Deutschland für Umwelt, Gesundheit und
    Gesellschaft von entscheidender Bedeutung ist.

    Es wird die aktuelle Lage von Trinkbrunnen in Deutschland dargelegt, rechtliche Grundlagen erläutert und Beispiele aus anderen Ländern betrachtet.

    Fact Sheet – Plastik Mythen

    Das Fact Sheet „Plastik Mythen“ macht deutlich: Es existiert keine Wunderpille. Wir brauchen echte und strukturelle Veränderungen für weniger Plastik. Verabschieden wir uns von Scheinlösungen. 

    Denn die Plastikkrise lässt sich nicht mit leeren Versprechen lösen, sondern nur mit systemischen Ansätzen. Die Umwelt- und Gesundheitsprobleme, die mit der Plastik in Verbindung stehen, sowie die stetig wachsende Neuproduktion von Plastik sind tief verwurzelt mit Produktionsmustern der chemischen Industrie.  

    Im Fact Sheet räumt Exit Plastik mit gängigen Plastikmythen auf und entzaubert wundersame Erzählungen zu Plastik.

    Inhalte des Fact Sheets:

    Wahrheit zu Mythos 1: Es gibt keine Pille gegen die Plastikverschmutzung
    Wahrheit zu Mythos 2: Plastik ist nicht nachhaltig
    Wahrheit zu Mythos 3: Wir können uns aus der Krise nicht heraus-recyceln
    Wahrheit zu Mythos 4: Technologische Wunderlösungen sind falsche Versprechen
    Wahrheit zu Mythos 5: „Chemical Recycling“ – heiße Luft statt Lösung

    Plastik Mythen als Illustrationen:

    Die Grafiken stehen unter der Creative Commons: CC BY-NC-ND 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/ sie dürfen gerne geteilt und in eigenen nicht kommerziellen Medienformaten genutzt, jedoch nicht verändert werden.

    Bewertung der Richtlinie über Einwegkunststoffe

    Verbändeanhörung zum Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des Verpackungsrechts und anderer Rechtsbereiche an die Verordnung (EU) 2025/40

    Die Europäische Kommission führt eine Bewertung der Richtlinie (EU) 2019/904 (https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2019/904/oj) über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt durch. Die Einwegkunststoffrichtlinie (engl. Abkürzung „SUPD“) wurde im Juni 2019 verabschiedet und soll zwischen 2025 und 2027 unter Einbeziehung aller relevanten Interessengruppen evaluiert werden, um ihre Wirksamkeit und mögliche Schwachstellen zu analysieren.

    Zwischen dem 23.12.2025 und dem 17.3.2026 findet eine öffentliche Konsultation und ein „Call for Evidence“ zur Bewertung der Richtlinie statt. In einem Fragebogen werden Ansichten u.a. zu Bewusstsein und Wahrnehmung, Wirksamkeit und Verhalten oder Relevanz abgefragt.

    Exit Plastik hat am 05.03.2026 eine Bewertung zur SUPD eingereicht. Die komplette Bewertung kann als PDF heruntergeladen werden.

    EU-Kommission: Have your say: what is the impact of the Single-Use Plastics Directive?

    Mehr zur Einwegkunststoffrichtlinie im STECKBRIEFPLASTIK

    Steckbrief Plastik: Einwegkunststoffrichtlinie

    (Engl.: Directive on the reduction of the impact of certain plastic products on the environment – Single-Use Plastics Directive, kurz: SUPD)

    Die Richtlinie über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt ist eine Rechtsvorschrift zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung. Sie reguliert die zehn meistverbreiteten Einwegkunststoffprodukte, die für die Verschmutzung der Strände in der EU verantwortlich sind und einen Großteil des Meeresmülls ausmachen.

    Bis Juli 2021 waren die Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichtet, bestimmte Einwegplastikartikel zu verbieten und weitere Maßnahmen umzusetzen, um Einwegkunststoffe zu reduzieren. Dazu gehört die Einführung der Produktkennzeichnung, Durchführung von regelmäßigen Aufklärungskampagnen, von Reduktionszielen beispielsweise für Lebensmittelverpackungen und die Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung.

    In Deutschland wurden die Vorgaben der Richtlinie durch Änderungen des Verpackungsgesetzes sowie durch die Neueinführung der Einwegkunststoff-Verbotsverordnung, der Einwegkunststoff-Kennzeichnungsverordnung und dem Einwegkunststoff-Fondsgesetz umgesetzt.

    Aktualität

    Die Einwegkunststoffrichtlinie wurde im Juni 2019 verabschiedet und musste bis Juli 2021 in nationales Recht umgesetzt werden. Nun ist die Europäische Kommission verpflichtet, die Wirksamkeit und mögliche Schwachstellen der Richtlinie zu evaluieren, um den Weg für eine mögliche Überarbeitung zu ebnen. Dieser Evaluierungsprozess soll zwischen 2025 und 2027 stattfinden und alle relevanten Interessengruppen einbeziehen. Durch die im Januar 2025 in Kraft getretene EU-Verpackungsverordnung (PPWR) wird die Liste der Marktbeschränkungen der SUPD um Einwegplastikartikel, die ab 2030 verboten sind, erweitert.

    Warum ist das wichtig?

    Seit den 1950er Jahren hat sich Kunststoff zu einem Massenprodukt entwickelt und Prognosen zeigen, dass sich diese Zahl bis 2050 verdoppeln oder sogar verdreifachen könnte. Kurzlebiges Einwegplastik macht einen Großteil der Plastikproduktion aus. Der Lebenszyklus von Einwegplastikprodukten ist durch einen hohen Ressourcen- und Energieverbrauch, den Einsatz und die Freisetzung gefährlicher Chemikalien, sowie die Entstehung von Mikroplastik gekennzeichnet. Deshalb muss die Produktion von (Einweg)plastik drastisch reduziert werden.

    Exit Plastik Kernforderungen

    Die SUPD und die damit verbundenen Maßnahmen können ein wichtiges Instrument zur Reduzierung von Einwegkunststoffen sein. Um dem wachsenden Problem der schädlichen Einwegverpackungen entgegenzuwirken, müssen die Vorgaben der Einwegkunststoffrichtlinie rechtliche Maßnahmen zur Beschränkung kurzlebiger Plastikprodukte sowie die Schaffung schadstofffreier Mehrwegsysteme und unverpackter Lösungen umfassen. Es muss sichergestellt werden, dass Einwegplastikprodukte nicht lediglich durch Einwegprodukte eines anderen Materials ersetzt und Probleme dadurch schlicht verlagert werden. Denn auch Papier bspw. ist ressourcen- und chemikalienintensiv in der Herstellung.

    Forderungen zur Einwegkunststoffrichtlinie:

    • Produktbeschränkungen kurzlebiger Plastikprodukte.
      • Vermeidung von Einwegplastikprodukten als oberste Priorität
      • Messbare, verbindliche und materialunabhängige Reduktionsziele für Einwegverpackungen
      • Verbot nicht notwendiger Einwegverpackungen
    • Unverpackt-Lösungen und Mehrweg zum neuen Standard machen
      • Gemeinwohlorientierte und schadstofffreie Pool-Mehrwegsysteme müssen konsequent priorisiert und gefördert werden
      • Festlegung rechtlich verbindlicher Mehrwegquoten für die Bereiche Verkaufs-, Transport- und Versandverpackungen (vom Supermarkt bis zum Online-Handel)
      • Mehrweg muss immer die günstigere Alternative sein
    • Förderung nachhaltigen Produktdesigns
      • Haltbare, reparaturfähige, wiederverwendbare, schadstofffreie und am Ende der Nutzung hochwertig mechanisch recyclebare Produkte
    • Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR)
      • Kostenübernahme gemäß Verursacherprinzip für Präventionsmaßnahmen und -ziele zur Vermeidung von Einwegplastikprodukten sowie für Entsorgung und Reinigung
      • Nutzung der EPR-Gelder für Investitionen in den Ausbau und die Förderung von Pool-Mehrwegsystemen
      • Vollumfängliche, öffentliche Zugänglichkeit der EPR-Daten entlang der gesamten Lieferkette

    Bewertung der Richtlinie über Einwegkunststoffe von Exit Plastik im Rahmen der EU Konsultation

    Links:

    Textilien

    Was haben Textilien mit Plastik zu tun?

    Die populären Textilfasern Polyester, Polyamid, Acryl und Nylon sind in Wirklichkeit nichts anderes als Plastik in Faserform. Aktuell beträgt ihr Anteil an der weltweiten Textilproduktion 69% – bis 2030 dürfte ihr Anteil auf etwa 73% anwachsen. Die Textilindustrie ist damit nach Verpackungen und Bau der drittgrößte Kunststoffverbraucher der Welt. Synthetische Fasern sind bei Herstellern beliebt, weil sie billig zu produzieren sind (Polyester kostet beispielsweise etwa halb so viel wie Baumwolle).

    Vom Erdöl über die Färbeprozesse bis zum Textilmüll: Der Lebenszyklus von Kleidung ist durchzogen von fossilen Abhängigkeiten, Einsatz von gefährlichen Chemikalien, Gesundheitsproblemen und Umweltverschmutzung. Diese Grafik zeigt, wo entlang der textilen Wertschöpfungskette die größten Belastungen auftreten.

    Grafik: Forum Umwelt und Entwicklung, CC BY-NC-ND 4.0

    Die Umweltbelastung durch synthetische Fasern

    In der Weiterverarbeitung der Textilien kommen enorme Mengen an Chemikalien zum Einsatz: Beim Färben und Behandeln von Stoffen werden über 1.600 verschiedene Substanzen verwendet, darunter Formaldehyd, PFAS, Phthalate, Chlor, Blei und Quecksilber. Viele davon sind giftig, krebserregend oder hormonell wirksam. Die Textilindustrie zählt deshalb zu den größten industriellen Verschmutzern von Grundwasser, Flüssen und Meeren. Schätzungen zufolge gehen rund 20% der weltweiten industriellen Wasserbelastung auf Textilfärbung und -behandlung zurück.

    Grafik: PLASTIKATLAS | Appenzeller/Hecher/Sack, CC BY 4.0

    Fast Fashion und Wegwerftextilien

    Das Geschäftsmodell der Fast Fashion basiert auf immer schnelleren Produktionszyklen und extrem niedrigen Preisen. Kleidung wird heute im Durchschnitt nur noch sieben- bis achtmal getragen, bevor sie entsorgt wird. Weniger als 1% der Textilien werden schließlich recycelt. Die meisten Kleidungsstücke landen in der Müllverbrennung, auf Deponien oder werden in Länder des Globalen Südens exportiert. Meist unter ökologisch und sozial problematischen Bedingungen.

    Synthetische Textilien geben bei jedem Waschgang Mikroplastik ab. Bei der Wäsche einer Fleecejacke beispielsweise bis zu 250.000 Plastikfasern. Diese Mikroplastikpartikel gelangen über Abwasser in Flüsse und Meere und reichern sich in Organismen, Sedimenten und letztlich auch im menschlichen Körper an.

    Entlang der gesamten textilen Lieferkette kommen Arbeiter*innen mit gefährlichen Chemikalien in Kontakt. Viele der verwendeten Substanzen sind krebserregend, fortpflanzungsgefährdend oder hormonell wirksam. Besonders Frauen in der Produktion synthetischer Fasern sind einem erhöhten Risiko für Brustkrebs und Fehlgeburten ausgesetzt.

    Mehr zum Thema

    Rundbrief

    Der Rundbrief  „Kleider machen Probleme“ des Forum Umwelt und Entwicklung beleuchtet, wie Textilien in nahezu jeder Stufe der Wertschöpfungskette mit schweren Menschenrechtsverletzungen und enormen Umweltbelastungen in Zusammenhang stehen.

    Info-Website

    Diese Website von HEJSupport informiert regelmäßig über verschiedene Themen zu nachhaltigen Textilien. 

    Online-Kurs

    In diesem kostenlosen Online-Kurs werden Themen wie Menschenrechte, Gesundheit, Umwelt und soziale Aspekte entlang des Lebenszyklus von Textilien behandelt. Er umfasst auch Informationen über verschiedene Materialien wie natürliche und synthetische Fasern, neuartige Materialien und Recycling. Der Kurs richtet sich an alle Interessierten.

    Weiterführende Links

    Stellungnahme zur Anpassung des Verpackungsgesetzes

    Verbändeanhörung zum Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des Verpackungsrechts und anderer Rechtsbereiche an die Verordnung (EU) 2025/40

    Im Hinblick auf die geplante Überarbeitung des deutschen Verpackungsrechts und der Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) appelliert das NGO-Bündnis Exit Plastik* eindringlich an die Bundesregierung, klare und ambitionierte Maßnahmen zu ergreifen. Deutschland steht vor der Herausforderung, mit der enormen Menge an Kunststoffverpackungen umzugehen, die jährlich im Land anfallen. Allein im Jahr 2023 wurden in Deutschland knapp 4 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen produziert, was gravierende negative Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt mit sich bringt. Die einst erfolgreiche deutsche Mehrweg- und Recyclingindustrie ist aktuell durch billiges Neuplastik, und hohe Energiekosten bedroht. Neuplastikproduzenten profitieren zudem vom niedrigen Ölpreis für die Herstellung ihrer Produkte. Investitionen in Mehrweg und Recycling werden auch deshalb nicht getätigt, weil der Industrie Planungssicherheit fehlt.

    Wir müssen die Chance nutzen, um ein starkes Verpackungsgesetz zu schaffen, das die planetare Krise der Umweltverschmutzung und deren Konsequenzen für die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen (One Health) ernst nimmt. Fortschrittliche Ansätze sind notwendig, um die Produktion von Kunststoffverpackungen signifikant zu reduzieren, gefährliche Stoffe zu verbannen sowie Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der gesamten Lieferkette zu gewährleisten. Nur durch entschlossenes Handeln können wir eine nachhaltige Zukunft und das Menschenrecht auf eine Gesunde Umwelt auch für kommende Generationen sichern

    BMUKN: Referentenentwurf eines Gesetzes zur Anpassung des Verpackungsrechts und anderer Rechtsbereiche an die Verordnung (EU) 2025/40 | Gesetze und Verordnungen

    Anhörung der Länder und Verbände zum Gesetz zur Anpassung des Verpackungsrechts und anderer Rechtsbereiche an die Verordnung (EU) 2025/40