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Steckbrief Plastik

Einwegkunststofffondsgesetz

Das Einwegkunststofffondsgesetz verpflichtet Hersteller von bestimmten Einwegplastikprodukten wie To-Go-Bechern, leichten Tragetaschen, Luftballons und Tabakfiltern zur Zahlung einer Abgabe.
Der Fonds soll die Kommunen bei den Kosten für die Beseitigung und Entsorgung von Einwegplastikmüll entlasten und für Sensibilisierungsmaßnahmen genutzt werden. Die Höhe der Zahlung richtet sich nach der Menge der auf dem Markt bereitgestellten oder verkauften Produkte.

Das Gesetz wurde am 11. Mai 2023 verkündet und ist am 1. Januar 2024 in Kraft getreten. Ab 2025 sollen die betroffenen Plastikhersteller in den vom Umweltbundesamt verwalteten Fonds einzahlen (Berechnungsgrundlage: 2024 in Verkehr gebrachte Produktmenge). Ab 2026 gilt dies auch für Hersteller von Feuerwerkskörpern.

Das Gesetz wurde am 11. Mai 2023 verkündet und ist am 1. Januar 2024 in Kraft getreten. Ab 2025 sollen die betroffenen Plastikhersteller in den vom Umweltbundesamt verwalteten Fonds einzahlen (Berechnungsgrundlage: 2024 in Verkehr gebrachte Produktmenge). Ab 2026 gilt dies auch für Hersteller von Feuerwerkskörpern.

Relevanz für Plastik

Hersteller und Inverkehrbringer von Plastik und Plastikprodukten müssen Teil der Lösung des von ihnen mitverursachten Problems sein. Gemäß dem Verursacherprinzip bedeutet eine ernstzunehmende Herstellerverantwortung u.a. die konsequente Internalisierung der Gesundheits-, Klima- und Umweltkosten von Kunststoffprodukten entlang des gesamten Lebenszyklus. Das EWKFondsG ist ein erster Schritt, um dies in der Abfallwirtschaft umzusetzen.

Exit Plastik Kernforderungen

Die durch das EWKFondsG vorgesehene Kostenübernahme durch Hersteller und Inverkehrbringer ist ein wichtiger erster Schritt zur Umsetzung des Verursacherprinzips. Die Höhe der Abgabe reicht jedoch nicht aus, um eine Lenkungswirkung in Richtung einer Verringerung der Produktion von Einwegplastikprodukten und -verpackungen und damit mehr Ressourcen-, Klima- und Gesundheitsschutz zu erzielen. Es bedarf weiterer gesetzlicher Maßnahmen, um Vermeidung und Wiederverwendung zu fördern und Hersteller und Inverkehrbringer für die Sicherheit und Umweltverträglichkeit ihrer Produkte und Verpackungen über den gesamten Lebenszyklus in die Verantwortung zu nehmen.

Forderungen zum Einwegkunststofffondsgesetz:

  • Policy-Mix mit Fokus auf der Vermeidung von Plastik durch Maßnahmen zur Verringerung der Plastikproduktion sowie zur Vermeidung von Problemverlagerungen, etwa durch den Ersatz von Einwegplastik durch andere Einwegmaterialien wie Papier oder Aluminium. Durch:
    • Einführung einer allgemeinen Einwegverpackungssteuer,
    • konkrete und ambitionierte Verpackungsreduktionsziele,
    • verbindliche Mehrwegquoten in allen Bereichen.
  • Erweiterung der Palette an Plastikprodukten für welche eine Abgabe im Rahmen des EWKFondsG gezahlt werden muss.
  • Ausweitung des Einwegkunststofffonds zu „Anti-Littering-Fonds“, um Einwegprodukte aus anderen Materialien mit einzuschließen (z.B. Aluminiumschalen, Papierverpackungen etc.).
  • Es muss sichergestellt werden, dass Hersteller und Inverkehrbringer die Kosten tragen und diese nicht über höhere Preise auf die Verbraucher*innen abwälzen. Das bedeutet, dass Produkte für Verbraucher*innen durch die Abgaben für den Einwegkunststofffonds oder eine Einwegsteuer nicht teurer werden dürfen).

Links:

Supermarket Audits

Das ungenutzte Potenzial von Geschäften im Kampf gegen Plastikverschmutzung

Ein neuer Bericht von #BreakFreeFromPlastic überprüft Supermärkte weltweit hinsichtlich ihrer Geschäftspraktiken im Zusammenhang mit Plastik und kommt zu dem Ergebnis, dass sie bei weitem nicht genug tun, um die Menge an Plastikmüll zu reduzieren.

Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines globalen Citizen-Science-Projekts erzielt. Mehr als 36 Organisationen erhoben in fast 500 Geschäften in 27 Ländern mithilfe von Fragebögen Daten, um zu untersuchen, wie Supermärkte zur Reduzierung oder Verbreitung von Einwegkunststoffen beitragen.

Die wichtigsten Ergebnisse des SupermarketAudits:

  • Geschäfte führen Maßnahmen zur Reduzierung von Plastik nur langsam ein, wenn sie nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, obwohl Beispiele aus aller Welt zeigen, dass sie machbar sind und von den Verbrauchern weitgehend akzeptiert werden.
  • Nur wenige Geschäfte haben eine Abteilung für lose Trockenwaren (14 %) oder verzichten auf Plastiktüten für Obst und Gemüse (11 %).
  • 44 % der geprüften Geschäfte bieten Flaschenpfandsysteme an, jedoch hauptsächlich in Deutschland (96 %); außerhalb Deutschlands sind es nur 17 %, was zeigt, dass die Gesetzgebung eine entscheidende Rolle spielt.
  • 58 % haben Einweg-Tragetaschen verboten oder erheben eine Gebühr dafür, wahrscheinlich aufgrund von Vorschriften in über 100 Ländern.
  • 53 % verkaufen wiederverwendbare Einkaufstaschen aus Segeltuch als Alternative

Website zum Bericht

Pressemitteilung von BFFP zur Veröffentlichung des Berichts

Kompass Chemikalienpolitik

Eine Einführung in die Chemikalienpolitik aus zivilgesellschaftlicher Perspektive

Mit diesem Kompass zeigt das Bündnis  Giftfreie Zukunft auf, warum eine kohärente, ambitionierte und wirksame Chemikalienpolitik unverzichtbar ist – und wie ihr selbst aktiv zu ihrem Gelingen beitragen könnt.

Website zum Kompass

14./15. August 2025

Pressemitteilung von Break Free From Plastik zum Abschluss von INC 5.2

Die Zivilgesellschaft bleibt standfest angesichts eines durchgängig fehlerbehafteten Verhandlungsprozesses zum Plastikabkommen und fordert die Länder auf, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen

Genf, Schweiz – Die wiederaufgenommene fünfte Sitzung des Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschusses (INC-5.2) für ein globales Abkommen zur Beendigung der Plastikverschmutzung wurde nach einem chaotischen Prozess vertagt, der die Verhandlungen zwar um einen Tag verlängerte, der aber ohne eine klare Einigung über das weitere Vorgehen endete. Die Zivilgesellschaft fordert die Staats- und Regierungschefs der Welt nachdrücklich auf, sich weiterhin für ein starkes, rechtsverbindliches Abkommen einzusetzen, das die Kunststoffproduktion reduziert und die menschliche Gesundheit, die Menschenrechte und die Umwelt schützt.

Trotz fehlender Möglichkeiten für Interventionen und eingeschränktem Zugang während des gesamten Prozesses haben indigene Völker, Frontline- und Fenceline-Gemeinden, Müllsammler*innen, Arbeiter*innen, Wissenschaftler*innen und die Zivilgesellschaft ihre Standpunkte konsequent in den Mittelpunkt dieser von Unternehmen dominierten Verhandlungen gebracht. Ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Fachkenntnisse haben maßgeblich dazu beigetragen, die Debatte über die Plastikverschmutzung von einem engen Fokus auf Meeresmüll zu einer weit verbreiteten Erkenntnis zu verlagern, dass Plastik in seinem gesamten Lebenszyklus die Umwelt verschmutzt. Sie haben durchweg die Verpflichtung der verhandelnden Länder hervorgehoben, die menschliche Gesundheit und die Menschenrechte in den Mittelpunkt der Vertragsverhandlungen zu stellen.

Es ist nicht zu verhehlen, dass die gesamten Verhandlungen von der petrochemischen Industrie dominiert wurden. Eine Untersuchung des Center for International Environmental Law (CIEL) ergab, dass sich im Lauf der Jahre zunehmend Lobbyisten der fossilen Brennstoff- und Chemieindustrie für die Teilnahme an den einzelnen Verhandlungsrunden zum Plastikvertrag registriert haben, sodass bei der INC-5.2 schließlich 234 Lobbyisten anwesend waren. Diese Schätzungen sind wahrscheinlich konservativ, da nur diejenigen Lobbyisten gezählt wurden, die ihre Verbindungen offenlegen.

Während die Delegierten Genf verlassen, betonen Beobachter die Notwendigkeit eines klaren und effektiven Prozesses, der sicherstellt, dass die Mehrheit der Länder zusammenarbeiten kann, um das Mandat zu erfüllen, das sie in die Schweiz gebracht hat – nämlich die Welt und zukünftige Generationen vor Plastikverschmutzung zu schützen. In den letzten zehn Tagen hat sich eine Mehrheit der Länder auf weitere Schlüsselelemente für einen wirkungsvollen Vertrag geeinigt und einen schwachen Vertragstext abgelehnt; nun müssen sie ihre Worte in kollektives und entschlossenes Handeln umsetzen. Unterdessen geht der Kampf gegen die Plastikverschmutzung weltweit in verschiedenen Formen weiter. An vorderster Front stehende Gemeinden gehen – auch mit Rechtsmitteln – gegen schädliche Anlagen und Praktiken wie die Produktion und Expansion der Petrochemie, die Verbrennung von Abfällen und den Abfallkolonialismus vor. NGOs und Gemeinden unterstützen gemeinsam mit lokalen Behörden und (kleinen) Unternehmen strenge Regulierungsrahmen auf nationaler und lokaler Ebene und setzen gleichzeitig Zero-Waste-Lösungen um, darunter Wiederverwendungs- und Nachfüllsysteme, um den Weg in eine Zukunft ohne Plastikverschmutzung zu ebnen.

Die letzten 24 Stunden

Der Verhandlungsprozess INC-5.2 war von vielen Mängeln und anhaltenden Herausforderungen geprägt, wie die überraschende Erklärung des INC-Vorsitzenden kurz vor Mitternacht am vermeintlich letzten Verhandlungstag zeigte – nach stundenlangen Verzögerungen, die Minister, Delegierte und Beobachter gleichermaßen warten und im Unklaren lassen mussten –, in der er ankündigte, dass die Sitzung bis zu einem „noch festzulegenden“ Zeitpunkt am folgenden Tag vertagt werde. Die Plenarsitzung wurde um 5:30 Uhr morgens mit nur kurzer Vorankündigung wieder aufgenommen, was für die kleinen Delegationen aus dem Globalen Süden eine besondere Belastung darstellte. Der Vorsitzende bemerkte auch, dass die Sitzung nach den Beiträgen der Beobachter vertagt werden würde, tat dies dann aber doch nicht – und setzte damit den Trend der begrenzten Beteiligung von Zivilgesellschaft, Wissenschaftlern, Müllsammlern und indigenen Völkern während der gesamten Verhandlungen fort.


Mitglieder von Break Free From Plastic reagieren auf das Ende des Plastikvertrags INC-5.2:

Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare (Schweiz), sagte:

„Trotz des enttäuschenden Ergebnisses haben diese Verhandlungen sowohl das Beste als auch das Schlechteste der multilateralen Diplomatie gezeigt. Wir wurden Zeugen leidenschaftlicher Bemühungen von über 120 Ländern – darunter fortschrittliche Staats- und Regierungschefs wie Kolumbien, Panama, Fidschi, Großbritannien und die EU –, die sich trotz des enormen Drucks der petrochemischen Staaten für wissenschaftlich fundierte Maßnahmen einsetzten. Der Prozess selbst ähnelte eher den Klimakonferenzen der COP als traditionellen Umweltabkommen, mit dem gleichen heftigen Widerstand von Seiten der Interessengruppen, aber auch einer bemerkenswerten Entschlossenheit der Mehrheit, echte Maßnahmen voranzutreiben. Ermutigend ist, dass dadurch Koalitionen gebildet und das globale Bewusstsein für die Plastikverschmutzung auf eine Weise geschärft wurde, wie wir es noch nie zuvor gesehen haben.“

Larisa Orbe, Acción Ecológica México (Mexiko), sagte:

„Organisationen, die täglich die Auswirkungen der Plastikverschmutzung auf Gemeinden und die Natur sehen, werden nicht aufgeben. Wir werden weiterhin für eine plastikfreie Welt kämpfen, indem wir in unseren Ländern Maßnahmen zum Schutz der Umwelt fördern, und wir sind bereit, unsere Regierungen weiterhin dabei zu unterstützen, sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Die letzten Jahre waren für die Organisationen, die die Verhandlungen verfolgt haben, eine großartige Lernerfahrung. Wir sind bereit, weiter zu kämpfen und Fortschritte zu erzielen, damit zukünftige Generationen aller Lebewesen in einer Welt ohne Plastik leben können.“

Jo Banner, Mitbegründer von The Descendants Project (USA), sagte:

„Obwohl die aktuelle Verhandlungsrunde zur Ausarbeitung eines Abkommens gegen Plastikverschmutzung gescheitert ist, ist sie ein Schritt vorwärts auf dem Weg zur Entwicklung eines Instruments, das die am stärksten betroffenen Gemeinden schützen wird. Gemeinden in der Nähe von Industrieanlagen, wie meine in Louisianas „Cancer Alley“, leiden enorm unter der Gewinnung und Produktion von Plastik. Es ist ermutigend zu sehen, dass die Mehrheit der Länder unseren Begehren Gehör schenkt und sich gegen die Ölstaaten wehrt, die uns mit Müll überschütten und mit giftigen Chemikalien ersticken wollen, indem sie sich weiterhin für die Kunststoffproduktion einsetzen. Dagegen kämpfen die von Umweltverschmutzung betroffenen Gemeinden weiter und sind mehr denn je entschlossen, an der Erreichung eines wirksamen Abkommens mitzuwirken. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Mitgliedstaaten ihren Beitrag leisten. Unsere Bewegung wird nur noch stärker werden, wenn wir weiterhin mit Wissenschaftler*nnen, Finanzexpert*innenen, indigenen Wissensinhaber*innen und anderen Vorkämpfer*innen zusammenarbeiten und ein Ende der Kunststoffproduktion fordern. Es ist an der Zeit, die Ketten der modernen Sklaverei des Kunststoffs zu sprengen und die Gemeinden zu befreien, die schon viel zu lange mit der Aufopferung ihrer Menschenrechte leben müssen.

Pui Yi Wong, Forscherin beim Basel Action Network (Malaysia), sagte:

„Dieser Verhandlungsprozess bei den INCs zum Plastikabkommen ist grundlegend fehlerhaft. Seit mehr als zwei Jahren werden dieselben Argumente wiederholt, ohne dass eine Einigung in Sicht ist. Wir sollten keine weitere wertvolle Zeit und Ressourcen verschwenden, indem wir dasselbe tun und ein anderes Ergebnis erwarten. Der Prozess muss geändert werden, einschließlich der Erwägung einer Abstimmung zur Entscheidungsfindung. Die Plastikkrise verschärft sich von Sekunde zu Sekunde. Für den Globalen Süden ist es wichtig zu wissen, dass weiterhin Millionen Kilogramm Plastikmüll in Länder mit niedrigem Einkommen exportiert werden, was deren nationale Abfallentsorgungssysteme überfordert. Mehrere Länder des Globalen Südens hatten gefordert, dass alle Exporte von Plastikmüll im Rahmen des Vertragsabkommens vorab gemeldet und genehmigt werden müssen, aber ihre Forderungen wurden von anderen Mitgliedstaaten ignoriert. Dies, zusammen mit der fehlenden Transparenz über Chemikalien und der Verweigerung der Abschaffung gefährlicher Chemikalien, setzt die Empfängerländer und -gemeinden ernsthaften Gefahren aus.“

Rico Euripidou, Chemikalien und Kampagnenunterstützung, groundWork South Africa (Südafrika), sagte:

„Plastik schadet der Gesundheit in seinem gesamten Lebenszyklus. Insbesondere über die Chemikalien, die Kunststoff hinzugefügt werden, um ihm die gewünschten Eigenschaften zu verleihen, gibt es zahlreiche wissenschaftlichen Beweise für die Gesundheitsschäden durch Kunststoff. Um die schädlichsten dieser Chemikalien, die routinemäßig Kunststoff und Kunststoffprodukten zugesetzt werden, anzugehen, müssen die Rückverfolgbarkeit und Nachverfolgung dieser Chemikalien neben Elementen zur Messung der Gesundheitsschäden in dem künftigen Vertrag eine zwingende Voraussetzung sein.“

Weitere Reaktionen von BFFP-Mitgliedern und Verbündeten (einschließlich weiterer Länder und Sprachen) werden hier hinzugefügt: FINAL – End of INC-5.2 Media Quotes Sheet

Mittwoch, 13. August 2025

Wir haben die folgenden positiven (✅) und negativen (❌) Punkte beobachtet:

✅Angesichts der mangelnden Fortschritte in den letzten neun Tagen mobilisierten die betroffenen Gemeinschaften gemeinsam mit Verbündeten vor Beginn der dritten Plenarsitzung vor Dutzenden von Journalisten und forderten laut und deutlich: Nutzt eure Macht, nutzt eure Stimme, um ein starkes Plastikabkommen zu erzielen.

✅ Während der Plenarsitzung äußerte eine Vielfalt von Ländern ihre Unzufriedenheit mit dem Entwurfstext des Vorsitzenden. Mehr als 80 Länder, angeführt von Kolumbien, die mit hoher Ambition in die Verhandlungen gehen, machten deutlich, dass der Text des Vorsitzenden als Verhandlungsgrundlage inakzeptabel ist, da wichtige Bestimmungen für ein starkes Abkommen fehlen.

✅Während einer Aktion zu Beginn des vorletzten Verhandlungstages übermittelten IPEN- und Zivilgesellschafts-Vertreter*innen den Delegierten eine klare Botschaft: Unsere Gesundheit liegt in Ihren Händen; schützen Sie unsere Gesundheit, verbieten Sie giftige Chemikalien in Kunststoffen.

✅Am späten Abend hielten Gruppen, die mehr Gerechtigkeit einfordern, eine Pressekonferenz ab, in der sie betonten, dass die Verhandlungen die im Stich lassen, die am stärksten von den Ungerechtigkeiten und Schäden durch die Kunststoffproduktion und -verschmutzung betroffen sind.

Nur eine Stunde vor Beginn der dritten Plenarsitzung legte der Vorsitzende einen Entwurf für einen Text vor, der von vielen Mitgliedstaaten abgelehnt wurde. Dem Vorschlag fehlen die wichtigsten Bestimmungen, die ambitionierte Länder, indigene Völker, vom Plastik betroffene Gemeinden, Wissenschaftler*innen und zivilgesellschaftliche Gruppen seit Beginn dieses Prozesses gefordert haben. Die Begriffe „Chemikalien” und „Wiederverwendungssysteme” kommen nicht vor, Maßnahmen zur Produktionsreduzierung wurden nicht aufgenommen, und die Formulierungen zu menschlicher Gesundheit, Just Transition und Menschenrechten sind schwach. Darüber hinaus fehlt in dem Entwurf eine Formulierung, die den Ländern eine Abstimmung auch ohne Konsens ermöglichen würde. Dies könnte den künftigen Fortschritt der Umsetzungsphase untergraben. Kurz gesagt: Der Entwurf des Vertragstextes bleibt hinter der UNEA-Resolution 5/14 zurück.

In der Plenarsitzung schlug der Vorsitzende trotz der überwältigenden Zahl von Ländern, die den neuen Text entschieden ablehnten, weiterhin ein Treffen mit den Delegationsleitern vor, um den neuen Vorschlag zu erörtern. Nach heftigen Auseinandersetzungen über die vorgeschlagene Tagesordnung einigten sich die Länder schließlich darauf, heute Abend regionale Konsultationen und möglicherweise morgen eine Sitzung der Delegationsleiter plus einem weiteren Vertreter abzuhalten, um sowohl den neuen als auch den bisherigen Vorschlag zu erörtern.

 Die Notwendigkeit, über den Konsens als Entscheidungsmechanismus hinauszugehen, bleibt weiterhin ein unausgesprochenes Problem. Die Länder scheinen in den Verhandlungen festgefahren zu sein.


Champion des Tages

Der Champion des Tages geht heute an die mehr als 80 Länder, die den Textentwurf der Vorsitzenden abgelehnt haben und weiterhin für ein Abkommen kämpfen, das eine gerechte Transformation gewährleistet, die Gesundheit schützt und unseren Planeten vor einer zunehmenden Plastikproduktion bewahrt. Viele bezeichneten den Text als inakzeptabel.

Neuer Textvorschlag des Vorsitzenden: „Scheitern“, „Verrat“, „Kapitulation“ 

Als Reaktion auf den enttäuschenden neuen Entwurf veröffentlichten mehr als zwanzig Rechteinhabergruppen Erklärungen, in denen sie ihn als „einen eklatanten Rückschritt, der das Mandat der UNEA 5/14 verrät“ (GAIA/BFFP Africa), „einen gefährlichen Rückschritt“ (Azul) sowie „ein politisches Versagen, sich der Situation zu stellen“ (Environmental Investigation Agency) bezeichneten. Das Center for Coalfield Justice verurteilte den Entwurf des Abkommens als „peinlichen, dreisten Verrat an den Gemeinschaften“, während das International Indigenous Peoples’ Forum on Plastics (IIPFP) ihn als „hoffnungslose Kapitulation vor der fossilen Brennstoffindustrie“ bezeichnete und darauf hinwies, dass der Entwurf Menschenrechte, einschließlich der Rechte indigener Völker, nicht berücksichtigt und indigene Völker zum Schein einbezieht und zum Schweigen bringt. 

Das Schweigen brechen

Nur wenige Minuten nachdem der Vorsitzende des INC den neuen Entwurf des Abkommens veröffentlicht hatte – in dem die wichtigsten Bestimmungen zur wirksamen Bekämpfung der Plastikverschmutzung fehlen – veranstalteten die betroffenen Gemeinden eine Aktion direkt vor dem Plenarsaal. Diesmal erhoben die Menschen laut und deutlich ihre Stimme und forderten ambitionierte Länder auf, „ihre Macht und ihre Stimme zu nutzen, um die Plastikverschmutzung für die Gemeinden, unseren Planeten und zukünftige Generationen zu beenden”. 

Dienstag, 12. August 2025

Wir haben die folgenden positiven (✅) und negativen (❌) Punkte beobachtet:

✅Anlässlich des Internationalen Tages der Jugend fanden mehrere Veranstaltungen statt, bei denen indigene Jugendliche, Müllsammler:innen und Umweltschützer:innen Lösungen für Wiederverwendung / Mehrweg und von Jugendlichen initiierte Initiativen vorstellten. Der Leiter der panamaischen Delegation hielt eine beeindruckende Rede darüber, wie junge Menschen weltweit an vorderster Front zivilgesellschaftliche Bewegungen anführen. Die panamaische Delegation ist eine der jüngsten bei den Verhandlungen.

✅ Am frühen Morgen organisierten Dutzende Beobachterinnen im Palais des Nations eine stille Protestaktion, um die zu den Verhandlung eintreffenden Minister:innen zu empfangen. Eine vielfältige Gruppe von Rechteinhaberinnen hielt Schilder hoch, auf denen sie die Staaten dazu aufriefen, Mut zu zeigen und sich nicht länger hinter dem Vorwand des Konsenses zu verstecken.

✅ Bei einer Pressekonferenz betonte die Koalition aus Wissenschaftler:innen, dass Plastikverschmutzung sowohl Menschen als auch die Umwelt über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg schädige. „Wir wissen heute bereits genug, um dringendes Handeln zu rechtfertigen. „Die Wissenschaft zu ignorieren, wird die Auswirkungen von Plastik auf Gesundheit und Umwelt nur verschlimmern“, so die Koalition.

✅ In den Diskussionen über die Produktionsreduzierung in Artikel 6 meldeten sich ambitionierte Staaten zu Wort, obwohl weniger ambitionierte Länder weiterhin versuchen, den Konsens als Schutzschild zu nutzen, um ein wirksames Abkommen zu verhindern. Eine Delegation erinnerte dabei ausdrücklich daran, dass es „nicht angebracht ist, wenn eine Partei zu irgendeinem Artikel ein Veto vorschlägt“.

❌ Die Zeit läuft, und die Länder haben noch keine wesentlichen Fortschritte erzielt, um bis Ende der Woche ein starkes Plastikabkommen auf den Weg zu bringen. Den Berichten aus den Kontaktgruppen zufolge drehen sich viele informelle Treffen weiterhin um allgemeine Diskussionen und die Positionierung der Länder statt um konkrete Verhandlungen über den Text, was bei den Delegationen zu Frustrationen führt. Da die abschließende Plenarsitzung in weniger als 40 Stunden angesetzt ist, haben viele Länder erneut betont, dass wir an einem Scheidepunkt stehen.

Der INC-Vorsitzende Luis Vayas und die INC-Generalsekretärin Jyoti Mathur-Filipp trafen sich mit rund 300 Beobachter*innen – in einem Raum, der für diese Zahl deutlich zu klein war. Gemeinsam sprachen sie lediglich zehn Minuten und blieben nicht, um Fragen zu beantworten. Der einzige bemerkenswerte Kommentar, den die INC-Generalsekretärin gleich zweimal erwähnte, lautete: „Am 15., wenn wir aufwachen, werden wir feiern.“ Sie zeigte sich optimistisch, dass 1) wir am Donnerstag nicht die ganze Nacht durchverhandeln werden und 2) wir am Freitag Grund zum Feiern haben. Hoffen wir, dass sie recht behält.

In den Diskussionen zu Artikel 6, der die Reduzierung der Plastikproduktion behandelt, hörten wir weiterhin die gleichen Argumente der Länder mit niedrigen Ambitionen, die versuchen, die Verhandlungen auf Abfallmanagement zu beschränken.

Die Verhandlungsführer*innen des Plastikabkommens – selbst jene mit geringen Ambitionen – atmen alle Mikroplastik ein. Nach Probenahmen in Außen- und Innenräumen wie Cafés, öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften in Genf bestätigte eine neue Greenpeace-Studie das Vorhandensein von Mikroplastik in der Luft – darunter Polyester, Nylon, Polyethylen, Vinyl-Copolymere und Celluloseacetat, wie sie typischerweise in Kleidung, Verpackungen und Einrichtungsgegenständen vorkommen. Hoffentlich kann diese Studie als Mahnung dienen, wie dringend ein zweckmäßiges Plastikabkommen ist


Jugendliche fordern mutiges Handeln

Der Internationale Tag der Jugend fiel genau in die Zeit der Verhandlungen in Genf, und Jugendgruppen verschafften sich Gehör. Das Youth Plastic Action Network, der WWF und Global Youth Voices hielten eine Präsentation und eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Jugend für eine plastikfreie Zukunft” ab, bei der sie Geschichten über von Jugendlichen geleitete Gemeinschaftsinitiativen austauschten und hervorhoben, wie sich die Verschmutzung durch Plastik auf ihre Gemeinden auswirkt. Diese Changemaker*innen stellten Lösungen vor, darunter auch die Wiederverwendung. Sie verwiesen auf führende Studien, die zeigen, dass Recycling nicht ausreicht, und drängten darauf, dass Jugendliche entlang des gesamten Lebenszyklus einbezogen werden: „Lasst uns zusammenarbeiten, um von Jugendlichen initiierte Lösungen zu unterstützen und eine gerechtere, friedlichere und nachhaltigere Welt von Grund auf aufzubauen”, sagte der 14-jährige jüngste Delegierte. Zum Auftakt des Internationalen Tages der Jugend sammelten Gruppen unter dem Motto „Zeig uns, wie die Plastikkrise deine Haustür erreicht“ Bilder von Menschen aus aller Welt und fügten sie zu einem großen Mosaik eines von Plastik umgebenen Herzens zusammen.

Hört auf, euch hinter dem Konsens zu verstecken

Um sicherzustellen, dass Länder ambitionierte Maßnahmen ergreifen können, ohne dass eine Handvoll wenig ambitionierter Regierungen ihr Veto einlegen, müssen die Delegierten in der Lage sein, Entscheidungen zu wesentlichen Fragen durch Mehrheitsbeschluss zu treffen, wenn kein Konsens zwischen allen Parteien erzielt werden kann.

Um sicherzustellen, dass wir ein ambitioniertes Abkommen erreichen können, haben heute Dutzende von Mitgliedern und Verbündeten von Break Free From Plastic aus aller Welt die Minister und Delegierten der Länder im Palais des Nations mit einer einheitlichen Botschaft begrüßt: „Hört auf, euch hinter dem Konsens zu verstecken! Zeigt Mut für zukünftige Generationen!“

Montag, 11. August 2025

© BreakFreeFrom Plastic

Wir haben die folgenden positiven (✅) und negativen (❌) Punkte beobachtet:

✅Mindestens 120 Länder unterstützen nun einen eigenständigen Artikel zum Thema Gesundheit. Dies würde die Einbeziehung der für Gesundheit zuständigen Ministerien und des gesamten Gesundheitssektors bei der Umsetzung vereinfachen. Einige Länder äußerten die Notwendigkeit, das Thema Gesundheit im gesamten Abkommenstext (insbesondere in den Artikeln 3, 5 und 6) zu berücksichtigen, um bedenkliche Chemikalien, Transparenz bei Zusatzstoffen und Polymertypen sowie damit verbundene Gesundheitsrisiken zu behandeln.

✅Südafrika und Gambia haben im Namen der afrikanischen Verhandlungsgruppe eine Intervention abgegeben, um ihr „[…] starkes Engagement für einen sozial gerechten Wandel zu bekräftigen, der die Beteiligung von Arbeitnehmer:innen in informellen und kooperativen Strukturen, einschließlich Abfallsammler:innen, erleichtert“. Diese Änderungsvorschläge würden „bedeutende Schutzmaßnahmen und Verbesserungen der Lebensgrundlagen von über 40 Millionen Abfallsammler:innen und ihren Familien weltweit gewährleisten“.

✅Bei einer Pressekonferenz von Climate Home News diskutierten Vertreter:innen der Zivilgesellschaft und der panamaische Delegierte Juan Carlos Monterrey Gómez über die Auswirkungen eines schwachen bzw. starken Plastikabkommens auf das Klima. 

✅ US-amerikanische Aktivist*innen veranstalteten eine Pressekonferenz über die Bedeutung Schwarzer Stimmen bei INC-5.2 und darüber hinaus. Sie wiesen darauf hin, dass Schwarze Gemeinschaften in den USA nach wie vor stark von globaler Umweltpolitik betroffen sind, jedoch innerhalb der Struktur der Major Groups and Other Stakeholders (MGoS) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEA) nicht offiziell anerkannt werden. 

❌ In den Diskussionen über Artikel 19 zum Thema menschliche Gesundheit und Plastik lehnen einige Länder mit geringen Ambitionen weiterhin einen eigenständigen Artikel zum Thema Gesundheit ab. Diese Länder argumentieren, dass diese Aspekte bereits von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) abgedeckt seien. In Wirklichkeit erfordert der Schutz der menschlichen Gesundheit vor den Auswirkungen von Kunststoffen jedoch die Koordinierung zwischen verschiedenen multilateralen Institutionen sowie anderen Akteur:innen auf internationaler und nationaler Ebene.

❌ Der vorgeschlagene Text für Artikel 8 zum Management von Kunststoffabfällen ist nach wie vor schwach. Einige Länder argumentieren unter Berufung auf die Regeln der Welthandelsorganisation und bestehende multilaterale Umweltabkommen (MEAs), dass das Abkommen keine Handelsbestimmungen enthalten sollte.  Handelsbestimmungen sind jedoch unerlässlich, um Schlupflöcher zu schließen, die es Ländern mit hohem Einkommen ermöglichen, Lieferungen falsch zu deklarieren, die Regeln zur vorherigen Zustimmung (PIC) zu umgehen und den illegalen Handel mit Abfällen zu erleichtern. Das Abkommen sollte die PIC- und Transparenzanforderungen auf alle Kategorien von Kunststoffabfällen ausweiten, um eine umfassende Überwachung zu gewährleisten und die Umgehung von Vorschriften zu verhindern.

❌ Trotz der Forderungen während der zweiten Plenarsitzung am Samstag, die Verhandlungen zu beschleunigen, kamen die Diskussionen über Finanzmechanismen heute nur langsam voran. Der Großteil der Sitzung konzentrierte sich auf die Diskussion von Änderungen an einer Fußnote und anderen Verfahrensfragen statt auf Verhandlungen über den Text. Viele Länder drängten darauf, mit der Arbeit an Artikel 12 zu beginnen, der den Aufbau von Kapazitäten, technische Hilfe, Technologietransfer und internationale Zusammenarbeit behandelt.


„Die Geschichten, die wir mit uns tragen“: Schwarze Stimmen bei INC-5.2 und darüber hinaus.

Heute haben Black Women for Wellness, The Descendants Project und Break Free from Plastic gemeinsam mit Führungspersonen von Breathe Free Detroit, Port Arthur Community Action Network, Beyond Petrochemicals und EarthDay.org eine Pressekonferenz abgehalten, um während INC-5.2 die Stimmen Schwarzer Menschen in den USA hervorzuheben.

Die Redner*innen betonten, dass Schwarze Gemeinschaften in den USA in jeder Phase des Lebenszyklus der Plastikverschmutzung leiden – sei es an den Grenzen von fossiler Brennstoffgewinnung, Kunststoffproduktion oder Verbrennung –, doch wurden Schwarze Stimmen während der Verhandlungen zum Plastikabkommen massiv von Vertretung und Anhörung ausgeschlossen.

Entstehung von ‚The Thinker’s Burden‘

© Trixie Guerro / BreakFreeFrom Plastic

„The Thinker’s Burden“ ist eine sechs Meter hohe Neuinterpretation von Rodins ikonischer Skulptur, geschaffen vom kanadischen Künstler Benjamin Von Wong zusammen mit SLS Illusions für die Verhandlungen zum Globalen Plastikabkommen INC 5.2. In dieser Version wiegt „Der Denker“ ein Baby in den Armen, sitzt auf Mutter Erde und ist in eine DNA-Strang verwoben – ein eindrucksvolles Symbol für die wachsenden Gesundheits- und Umweltbedrohungen durch eine unregulierte Kunststoffindustrie. Das Kunstwerk wurde aus Pappmaché, Holz, Stahl und lebenden Ranken gefertigt und wird im Verlauf der Verhandlungen langsam von einer Welle aus Plastikmüll verschlungen – eine lebendige Metapher für das toxische Erbe, das wir künftigen Generationen hinterlassen riskieren.

Hier gibt es ein Hintergrundvideo mit dem Künstler: Die Bürde des Denkers – Kunst an der Front der globalen Verhandlungen zum #PlasticsTreaty (INC 5.2) – YouTube

Sonntag, 10. August 2025

Am Sonntag waren nur informelle Gespräche angesetzt, zu denen Beobachter:innen keinen Zugang hatten. Auch am Montag wird es fast ausschließliche Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit geben. Diese sind zwar häufig produktiver, aber Beobachtende bekommen nicht mit was passiert und kann im Zweifel nicht gegensteuern.

Deswegen gibt es heute ein Update zur Halbzeit der Verhandlungen von Bündnismitglied Moritz Jäger-Roschko von Greenpeace Deutschland, der bei den Gesprächen in Genf dabei ist.

Statt Annäherung sehen wir Stillstand – kaum inhaltliche Fortschritte, viel Frust über die Gestaltung des Prozess und keine Einigkeit, wie es weitergehen kann.

Entgegen der Erwartung vieler hat der Chair im gestrigen Plenum keine neue Arbeitsweise vorgeschlagen. Der Prozess bleibt also wie gehabt.

Vor dem Plenum hat BFFP gemeinsam mit hunderten Beobachter:innen vor den Eingängen zur Konferenz ein starkes Zeichen gesetzt. Unsere Botschaften: „Prozess korrigieren – Versprechen halten – Plastikflut stoppen.“


Kontaktiert eure Regierung, um euch für ein starkes globales #Plastikabkommen einzusetzen!

Wir müssen unsere Regierung auffordern, ein starkes Plastikabkommen zu verabschieden, um eine Zukunft ohne Plastikverschmutzung zu schaffen.

Break Free From Plastic hat ein Tool vorbereitet, um die Regierungen zu kontaktieren und unsere Forderungen laut zu machen: https://www.breakfreefromplastic.org/plastics-treaty-contact-your-minister

Samstag, 09. August 2025

© Trixie Guerro / BreakFreeFrom Plastic

Wir haben die folgenden positiven (✅) und negativen (❌) Punkte beobachtet:

✅Anlässlich des Internationalen Tages der indigenen Völker der Welt lud das Internationale Forum der indigenen Völker (IIPFP) Delegierte zu einer Veranstaltung ein,bei der dazu aufgerufen wurde, sich dafür einzusetzen, dass die Rechte der indigenen Völker respektiert und in den globalen Abkommensprozessen in den Mittelpunkt gestellt werden. 

✅Mehr als 200 Beobachtende  demonstrierten gleich zu Beginn der Plenarsitzung ihre kollektive Stärke, indem sie bei der Ankunft der Länderdelegierten Schilder in mehreren Sprachen hochhielten und die Regierungen aufforderten, „den Prozess in Ordnung zu bringen, ihre Versprechen einzuhalten und einen sinnvolles Abkommen zur Beendigung der Plastikverschmutzung abzuschließen”.

✅Während der heutigen Plenarsitzung äußerten Delegationen aus Chile, Kolumbien, Grenada, Kenia, Malaysia, Norwegen, Palau, Peru, Tuvalu und der Europäischen Union ihre Besorgnis über das langsame Tempo der Verhandlungen. Andere Länder wie Äthiopien, Malaysia, die Schweiz und das Vereinigte Königreich erklärten, dass einige Änderungen an der Dynamik der Verhandlungen vorgenommen werden müssten, um effektiver voranzukommen.

✅Panama erinnerte die Länder in einer eindringlichen Rede daran, dass das Abkommen ohne konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Produktion „auf Sand gebaut sein wird“. Diese Worte wurden von anderen Delegationen mit lang anhaltendem Applaus bedacht.

✅Uruguay erklärte insbesondere, dass Konsens nicht „als Rechtfertigung dafür dienen kann, dass wir unsere Ziele nicht erreichen“. 

✅Während der Plenarsitzung erwähnte Fidschi uns namentlich. In Bezug auf die Uneinigkeit in den Texten – die sich in der Regel durch Hinzufügungen von Wörtern und Sätzen in Klammern bemerkbar macht – sagte der Delegierte aus Fidschi: “to break free from plastic, we must break free from brackets. Go faster”. („Um uns von Plastik zu befreien, müssen wir uns von Klammern befreien. Wir müssen schneller vorankommen.“)

✅Später in den Verhandlungsräumen, bei der Diskussion über die Präambel des Abkommens, erkannten ambitionierte Länder, dass das derzeitige Niveau der Plastikproduktion nicht nachhaltig ist.

✅In anderen Diskussionen betonten ambitionierte Länder die Bedeutung von Maßnahmen zu Abfallhandel und wiesen darauf hin, dass die Bekämpfung des illegalen Handels mit Plastikabfällen für Entwicklungsländer von entscheidender Bedeutung ist, da sie dazu beitragen, Umweltverstöße zu bekämpfen und Schutzmaßnahmen gegen schwerwiegende Risiken für die Gesundheit von Mensch und Umwelt zu schaffen.

❌  An der zweiten Plenarsitzung nahmen keine Beobachtenden teil, und es wurde deutlich, dass in den Verhandlungsräumen nur geringe Fortschritte erzielt wurden. Selbst der Vorsitzende räumte ein, dass die Fortschritte bei der Fertigstellung eines Abkommenstextes nur langsam vorankommen.

❌  Während der Plenarsitzung wurden Forderungen von Ländern wie Russland, Kuwait und Kasachstan laut, den Konsens als Entscheidungsmechanismus zu priorisieren, was die Ambitionen und die Stärke des Abkommens untergraben könnte.

  Ein neuer zusammengestellter Text wurde früh am Tag vorgelegt. Der Global Strategic Communications Council zählte 1488 Klammern (d. h. nicht vereinbarte Textstellen). Die Länder verwenden jedoch weiterhin den Text des Vorsitzenden vom Dezember 2024 als Hauptgrundlage für die Verhandlungen.

  Es wurde deutlich, dass mehr Zeit für die Arbeit an Artikel 6 benötigt wird, der sich mit der Kunststoffproduktion befasst. Bislang wurde noch keine Einigung zu diesem Artikel erzielt, wobei einige Länder mit geringen Ambitionen die vollständige Streichung des Artikels fordern.

❌  Trotz der Forderungen, den Verhandlungsprozess im Plenum zu beschleunigen, versuchen Länder mit geringen Ambitionen weiterhin, den Geltungsbereich des Vertrags einzuschränken, um die Kunststoffproduktion auszuschließen. Es wurden Versuche unternommen, neue Absätze einzufügen, die sich ausschließlich auf die Abfallwirtschaft konzentrieren, und die Kunststoffproduktion wurde als „nicht inhärent umweltschädlich” beschrieben. 

  Während der Plenarsitzung stellten sich einige dieser Länder, die zu den Ländern mit der höchsten Plastikproduktion gehören, als „unter Beobachtung“ dar. Dabei haben sie während des gesamten Prozesses Taktiken angewandt, um die Dringlichkeit zu verwässern und Entscheidungen zu verzögern.

  Während der Verhandlungen über gesundheitsbezogene Maßnahmen versuchten einige Länder mit geringen Ambitionen, Verweise auf die menschliche Gesundheit zu streichen. Sie begründeten dies damit, dass dies nicht in den Geltungsbereich des Abkommens falle, und forderten dessen vollständige Streichung. Sie weigerten sich, Plastik als ernsthafte Gesundheitsgefahr anzuerkennen, und schlugen stattdessen vor, es trotz wachsender wissenschaftlicher Belege lediglich als „potenzielle Auswirkung” auf die menschliche Gesundheit zu bezeichnen.


„Bringt den Prozess in Ordnung, haltet eure Versprechen und beendet die Verschmutzung durch Plastik!“

Als die Delegierten am Samstagmorgen zur zweiten Plenarsitzung eintrafen, richteten Beobachtende einen klaren Appell an die Regierungen: „Bringt den Prozess in Ordnung, haltet eure Versprechen und schließt ein sinnvolles Abkommen zur Beendigung der Plastikverschmutzung ab.“ Die eindrucksvolle und ernste Mobilisierung signalisierte den starken Druck der Zivilgesellschaft und ihrer Verbündeten, die die Delegierten dazu drängten, die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen und ambitionierte Zusagen einzuhalten. Beobachtnde standen am Eingang mit Schildern mit der Aufschrift „Bringt den Prozess in Ordnung,“ in mehreren Sprachen und machten ihren Appell unübersehbar.

Internationaler Tag der indigenen Völker der Welt

Das Internationale Forum der indigenen Völker zu Plastik (IIPFP) lud Delegierte und Medienvertreter zu einer Veranstaltung mit dem Vorsitzenden des INC ein, um den Internationalen Tag der indigenen Völker zu begehen. Bei dieser Veranstaltung bekräftigten Vertreter*innen indigener Völker aus aller Welt die schmerzhafte Geschichte ihrer Ausgrenzung aus diesen internationalen politischen Entscheidungsprozessen. Heni Unwin, die Mitglied von Te Atihaunui-a-Pāpārangi, Ngāti Tūwharetoa, Ngāi Tūhoe, Ngāti Kahungunu ki te Wairoa und Rongomaiwahine ist, wies darauf hin, dass ihre Vorfahren vor einem Jahrhundert, als es noch den Völkerbund gab, buchstäblich an der Tür dieses Gebäudes abgewiesen wurden. Zwar sind indigene Völker nun an den Verhandlungen zum Plastikabkommen beteiligt, jedoch lediglich als Beobachter mit dem gleichen Status wie Nichtregierungsorganisationen und Industrievertreter und nicht als führende Akteure, wie es ihnen zustehen würde.

Freitag, 08. August 2025

© Trixie Guerro / BreakFreeFrom Plastic

Wir haben die folgenden positiven (✅) und negativen (❌) Punkte beobachtet:

✅Während der Diskussionen über den Kapazitätsaufbau hat eine Gruppe von Ländern erstmals eine Abkommenspassage formuliert, die vorschlägt, dass die Industrieländer Förderung für Forschung, Innovation, Investitionen und Technologietransfer bereitstellen, wobei Entwicklungsländer Vorrang eingeräumt werden sollte. Ein Land schlug außerdem vor, Gespräche über bestehende Ungleichgewichte bei technischen Kapazitäten und Zugang zu technischen Lösungen wieder aufzunehmen.

✅Es wurde beantragt,  “chemisches Recycling” nicht als umweltverträgliche Technologie für die Verarbeitung und das Recycling von Kunststoffen zu betrachten.

✅Ein Land schlug vor, sowohl „fortschrittliche Entwicklung” als auch das Prinzip des Nicht-Rückschritts im Umweltschutz in die Präambel des Abkommens  aufzunehmen, um sicherzustellen, dass die Länder bestehende Errungenschaften beibehalten und darauf aufbauen, anstatt dahinter zurückzutreten.

✅Mehrere Länder sprachen sich für eine Verpflichtung zur Entwicklung und Umsetzung verbindlicher nationaler Aktionspläne aus.

✅Mehrere Gruppen von Rechteinhaber:innen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen, veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie einen gerechten Übergang fordern.

✅Ebenso veröffentlichten mehrere Bereiche der Zivilgesellschaft eine Erklärung, in der sie die Länder auffordern, den Verhandlungsprozess zu korrigieren und ihre Versprechen einzuhalten, um ein wirksames Abkommen zur Bewältigung der Plastikverschmutzungskrise zu erzielen.

✅ In einem Konferenzraumpapier schlägt Ecuador im Namen von Bolivien, Kolumbien, Chile, Costa Rica, der Dominikanischen Republik, Panama, Peru und Uruguay vor,  Formulierungen bezüglich der Menschenrechte im Text des Vorsitzes zu verschärfen. Mit diesem Vorschlag werden die erheblichen Risiken der Plastikverschmutzung für gefährdete Gruppen betont und die Dringlichkeit unterstrichen, dass Unternehmen die Auswirkungen ihres Handelns auf die Menschenrechte berücksichtigen müssen.

❌ Wir beobachten weiterhin Verzögerungstaktiken seitens der Länder mit geringen Ambitionen. So behaupten sie beispielsweise immer noch, dass ihnen grundlegende Definitionen wie „Kunststoff“, „Mikroplastik“, „Lebenszyklus“ oder „Quellen“ nicht bekannt seien. Auch nach der Aufforderung, sich auf inhaltliche Diskussionen zum Text zu konzentrieren, werfen sie weiterhin Verfahrensfragen auf und stellen den Geltungsbereich des Abkommens in Frage. Dabei geht aus der Resolution 5/14 der UNEA klar hervor, dass dieser den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen abdecken soll.

❌ Der sich abzeichnende Text zu den Finanzierungsmechanismen lässt weiterhin Raum für Scheinlösungen, darunter das sogenannte „Blended and Innovative Financing“ – eine Reihe marktorientierter Ansätze, die private Beiträge durch schädliche Maßnahmen wie das sogenannte „chemische Recycling“, Plastikkredite und andere Formen des Greenwashings mobilisieren sollen.

❌ Mehrere Staaten, die sich über Plastikabfälle und -emissionen in die Umwelt berieten, konnten sich nicht auf ein weiteres Vorgehen einigen und verbrachten den Großteil der Zeit mit Verfahrensdebatten.


Fenceline-Gruppen fordern einen starken Vertrag, der die Menschenrechte wahrt.

Bei der Pressekonferenz der „Affected Groups Aligned for Justice” zeigten indigene Völker, Müllsammler:innen und gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer:innen ihre tiefe Verbundenheit.

  • Vi Waghiyi (Alaska Community Action on Toxics) und Aakaluk Adrienne Blatchford (Indigenous Environmental Network) offenbarten schockierende Gesundheitsverstöße gegen die indigenen Völker Alaskas durch Mikroplastikverschmutzung.
  • Soledad Mella Vidal (International Alliance of Waste Pickers) und Repon Chowdhury (International Trade Union Confederation) betonten die Notwendigkeit eines starken und inklusiven Artikels zum gerechten Übergang im operativen Teil des Abkommens, der sich mit der grenzüberschreitenden Natur von Kunststoffabfällen befasst.
  • Cheyenne Rendon (International Indigenous Peoples’ Forum on Plastics & Society of Native Nations) dass das Plastikabkommen die kollektiven Rechte indigener Völker gemäß der UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker und dem ILO-Übereinkommen 169 wahren muss.

Zivilgesellschaftliche Gruppen fordern die Verhandelnden auf: Korrigieren Sie den Prozess. Halten Sie Ihr Versprechen ein. Beenden Sie die Plastikverschmutzung.

Vier Tage nach Beginn der abschließenden Verhandlungen über das globale Plastikabkommen sind wir noch immer nicht auf Kurs, ein Abkommen zu erreichen, das Menschen und Natur wirksam schützt. Beobachter:innen – darunter Müllsammler:innen, betroffene Gemeinschaften, Wissenschaftler:innen, Angehörige der Gesundheitsberufe, Kinder und Jugendliche, Frauen, Unternehmen sowie Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt – haben sich zusammengeschlossen und die Regierungen aufgefordert, sich stärker zu engagieren, den Verhandlungsprozess zu verbessern, ihre Zusagen einzuhalten und ein wirksames Abkommen zur Beendigung der Plastikverschmutzung zu verabschieden.