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Donnerstag, 07. August 2025

© Jack Taylor Gotch / Greenpeace

Wir haben die folgenden positiven (✅) und negativen (❌) Punkte beobachtet:

✅ Am Donnerstag haben die Länder mit den Verhandlungen über konkrete Elemente des Vertragstextes begonnen. Einige Länder sprachen sich dafür aus, über die bloße Beseitigung von Plastik in der Umwelt hinauszugehen und stattdessen von einer Sanierung („remediation“) der Plastikverschmutzung zu sprechen – ein weiter gefasster Begriff, der die Beseitigung, Wiederherstellung und Rehabilitation geschützter Umweltbereiche mit einbezieht.

✅ Mehr als 120 Länder unterstützen den Vorschlag Brasiliens, einen eigenen Artikel zum Thema Gesundheit in den Vertrag aufzunehmen. Im Verhandlungsraum forderten einige Länder, die Perspektiven besonders gefährdeter Gemeinschaften, indigener Völker und Müllsammler zu berücksichtigen.

✅ Wir hörten auch verschiedene Stimmen, die Maßnahmen gegen Mikroplastik befürworteten. Eine Delegation erklärte, „dieser Artikel ist aufgrund der vorliegenden Beweise absolut relevant und notwendig“.

✅ Georgien, Peru, Ruanda, die Schweiz und Thailand legten einen Vorschlag für eine erste, nicht erschöpfende Liste von Kunststoffprodukten vor, deren Abschaffung in Betracht gezogen werden könnte. Diese Initiative konkretisiert die Verhandlungen und setzt Impulse für durchsetzbare globale Regeln.

✅ Das Vereinigte Königreich und Chile legten gemeinsam mit 24 Ländern einen Vorschlag zu nachhaltigem Produktdesign vor, welcher die Verbesserung von Wiederverwendungssystemen, die Minimierung von Einträgen in die Umwelt, die Verbesserung der Sicherheit etc. vorsieht. Der Vorschlag findet Unterstützung bei zahlreichen Ländern, die während der Verhandlungen die Notwendigkeit schadstofffreier Wiederverwendung betonten sowie die Bedeutung des indigenen Wissens und lokaler Produktions- und Verbrauchssysteme anerkannten.

✅ Als Reaktion auf die Blockaden zu Artikel 6 (Kunststoffproduktion) reichte Panama im Namen von 89 Ländern seinen Vorschlag aus INC-5.1 erneut ein und forderte verbindliche globale Ziele zur Reduzierung der Produktion von Primärkunststoffpolymeren auf ein nachhaltiges Niveau.

✅ In einer Medienerklärung forderten direkt betroffene Gruppen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Kunststoff, z.B. indigene Völker, Müllsammler:innen und Gewerkschaften, einen verbindlichen Vertrag, der Gerechtigkeit, Rechte und echte Lösungen in den Mittelpunkt stellt.

✅ Die UN Women’s Major Group veranstaltete ein informelles Mittagessen für weibliche Delegierte. Rednerinnen betonten in hoffnungsvollen Botschaften die Notwendigkeit einer Beendigung der Plastikverschmutzung – einschließlich Schadstoffen und Mikroplastik – zum Wohl aller Mädchen und Frauen auf der Welt. 

✅ Über 48 Millionen Angehörige der Gesundheitsberufe aus aller Welt, darunter die World Medical Association und der International Council of Nurses, forderten die Staats- und Regierungschefs auf, die Plastikverschmutzung zu beenden und sich für ein gerechtes, ausgewogenes und gesundheitsorientiertes globales Plastikabkommen einzusetzen.

❌    Laut einer Analyse des Center for International Environmental Law (CIEL) haben sich für diese Runde der Verhandlungen rekordverdächtige 234 Lobbyisten aus der fossilen Brennstoff- und Chemieindustrie registriert, wobei große Unternehmen wie Dow und ExxonMobil stark vertreten sind. Damit sind mehr Lobbyisten aus dieser Branche anwesend als Delegationen aller 27 EU-Länder und der Europäischen Kommission.

 Die Gruppe, die sich mit Kapazitätsaufbau und Finanzierung befasste, verbrachte zwei ihrer drei Stunden damit, sich zu organisieren, bevor sie endlich zu den Verhandlungen über den Vertragstext übergehen konnte.

❌ Einige Länder mit geringen Ambitionen sprachen sich gegen einen Artikel zum Thema Gesundheit aus und schlugen vor, diesen stattdessen über die Weltgesundheitsorganisation abzudecken. Eine Delegation lehnte wissenschaftliche Beweise ab und behauptete, die Forschung zu Auswirkungen von Kunststoffen auf die Gesundheit befände sich noch in einem „Anfangsstadium”.

   Der Vorsitz hat die Diskussionen in informelle Runden verlegt. Während für die Regierungen über 100 Plätze zur Verfügung standen, wurden Beobachtende ausgeschlossen. Das International Pollutants Elimination Network (IPEN) äußerte in einem Brief an den Vorsitz Bedenken und betonte, dass auch bei dieser Regelung die Transparenz und Integrität bewahrt und die Teilnahme der Wissenschaft und von Expert:innen an den Verhandlungen gewährleistet sein muss.


Die erdrückende Macht der Ölkonzerne entlarven

Analyse von CIEL

234 Vertreter:innen der fossilen Brennstoff- und Chemieindustrie sind laut einer Analyse des Center for International Environmental Law (CIEL) für die INC-5.2 registriert. Das ist die höchste Zahl, die bisher bei Verhandlungen zum Kunststoff Abkommen verzeichnet wurde, mehr als die bisherige Höchstzahl von 221 bei INC-5.1.

  • Die Vertreter:innen der fossilen Brennstoff- und Chemieindustrie sind zahlreicher als die diplomatischen Delegierten aller 27 EU-Länder und die Delegierten der Europäischen Kommission zusammen (233).
  • Einige dieser Vertreter:innen sicherten sich Plätze in den nationalen Delegationen Ägyptens (6), Kasachstans (4), Chinas (3), Irans (3), Chiles (2) und der Dominikanischen Republik (1), darunter Lobbyist:innen von Dow (7), dem American Chemistry Council (7) und ExxonMobil (6).
  • Diese Zahlen basieren auf der Selbstauskunft der Delegierten über ihre Verbindungen zur Industrie und sind darum als eher konservative Schätzung zu bewerten.

Die Vertreter:innen der fossilen Brennstoff- und Chemieindustrie sind zahlreicher als die diplomatischen Delegierten aller 27 EU-Länder und die Delegierten der Europäischen Kommission zusammen (233).

Einige dieser Vertreter:innen sicherten sich Plätze in den nationalen Delegationen Ägyptens (6), Kasachstans (4), Chinas (3), Irans (3), Chiles (2) und der Dominikanischen Republik (1), darunter Lobbyist:innen von Dow (7), dem American Chemistry Council (7) und ExxonMobil (6).

Aktion von Greenpeace

Greenpeace-Aktivist:innen bemalten Straßen von Genf schwarz, um mit dieser symbolischen Ölspur auf den unangemessenen Einfluss der fossilen Brennstoffindustrie auf die Verhandlungen aufmerksam zu machen. Mit dieser Aktion und riesigen Bannern über dem Eingang zum Palais des Nations fordern sie die UNO auf, Lobbyvertreter:innen der fossilen Brennstoffindustrie auszuschließen. 

Zugang und Transparenz stehen auf dem Spiel

Eine sinnvolle Teilnahme am Verhandlungsprozess durch Beobachter:innen wird durch neue Hindernisse erschwert. In einem Brief an den Vorsitz und das Präsidium des INC legt das International Pollutants Elimination Network (IPEN) seine Bedenken dar und betont, dass informelle Treffen weder die Transparenz noch die Integrität des Prozesses beeinträchtigen oder die Teilnahme von Wissenschaftler:innen und Expert:innen verhindern sollte. IPEN drängt auf sofortige Maßnahmen, um die Zugänglichkeit informeller Treffen sicherzustellen oder dass zumindest jede Entscheidung für ein geschlossenes Treffen klar begründet, an minimalen Kriterien ausgerichtet und transparent kommuniziert wird.

Mittwoch, 06. August 2025

Wir haben die folgenden positiven (✅) und negativen (❌) Punkte beobachtet:

✅ Während der Diskussionen über Kunststoffprodukte sprachen sich ambitionierte Stimmen dafür aus, giftige Chemikalien auf Grundlage der besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, Transparenzmaßnahmen und globalen Chemikalienlisten und Zielvorgaben zu regulieren. Eine Delegation forderte später diejenigen, die sich gegen globale Vorschriften aussprechen, auf, sich zurückzuziehen und die Länder, die bereit sind, dieses globale Problem anzugehen, nicht zu blockieren.

✅ 118 Länder unterstützen einen Vorschlag unter Federführung Kolumbiens und Perus, der sicherstellt, dass künftige Vertragsstaatenkonferenzen (COP) Beschlüsse durch Abstimmung fassen können, wenn kein Konsens erzielt wird.

✅ Ein von Kanada ausgearbeiteter Vorschlag betont die unverhältnismäßige Belastung indigener Völker durch die Plastikverschmutzung und kritisiert, dass der Abkommenstext ihre Rechte, ihr Wissen und ihre Beteiligung nicht angemessen widerspiegelt. 45 Delegationen unterstützen den Vorschlag, die EU hat ihn jedoch noch nicht gebilligt. Wir hoffen, dass Kanada diese Position in den Verhandlungsräumen verteidigen wird.

✅Ein Vorschlag der Schweiz und Mexikos, der globale Kontrollmaßnahmen für Kunststoffprodukte und Chemikalien in Produkten unterstützt, wird von mindestens 130 Ländern unterstützt. Kein anderer Vorschlag hat eine so große Unterstützung gefunden.

✅Bei der Diskussion über Finanzierungsmechanismen forderte eine Gruppe von Ländern, dass die Industrieländer Maßnahmen zur Gleichstellung finanzieren sollten, um die Entwicklungsländer bei der Umsetzung des Abkommens zu unterstützen. Andere Delegationen bekräftigten die Notwendigkeit einer robusten und transparenten Überprüfung der Finanzmechanismen für die Umsetzung und schlugen die Einrichtung eines neuen speziellen Fonds bis zur zweiten COP vor.

✅Während der Diskussionen über den Umgang mit Plastikmüll sprachen sich einige Delegationen dafür aus, sogenannte „Energierückgewinnungstechnologien” aus dem Text zu streichen – eine falsche Lösung, die hochgiftige Substanzen und Schwermetalle erzeugt und mehr Emissionen verursacht als Kunststoff selbst.

❌ Wie in einer Endlosschleife argumentieren einige wenige Länder mit geringen Ambitionen für ein Plastikabkommen weiterhin, dass die Regulierung giftiger Chemikalien nicht in den Geltungsbereich des Vertrags falle.

 Saudi-Arabien legte im Namen der Arabischen Gruppe einen Vorschlag vor, in dem es seinen Standpunkt zu den Vertragsstaatenkonferenzen (COPs) darlegte, die auf die Einigung über ein globales Plastikabkommen folgen werden. In diesem Vorschlag wird vorgeschlagen, dass alle Entscheidungen auf den COPs im Konsens getroffen werden, was die Prozesse erheblich verlangsamen, die Interessen der Blockierer schützen und zu abgeschwächten Ergebnissen führen könnte.

❌ Am späteren Abend schlug eine Delegation während der Verhandlungen der Kontaktgruppe sogar vor, dass auch die Teilnahme von Beobachtern am Umsetzungsprozess im Konsens beschlossen werden sollte, was es jedem Land ermöglichen würde, Beobachter vom Prozess auszuschließen.

  Malaysia, Kasachstan und Saudi-Arabien bekräftigten im Namen der Arabischen Gruppe ihre wenig ambitionierte Haltung zu Artikel 6, der die Regulierung der Kunststoffproduktion zum Ziel hat, und legten formelle Vorschläge zur vollständigen Streichung des Artikels vor.

  Hinsichtlich der Finanzierungsmechanismen für die Umsetzung des Vertrags können sich die Länder nach wie vor nicht auf einen guten Weg einigen, um sicherzustellen, dass die Verursacher auch für die Auswirkungen der Plastikverschmutzung aufkommen.

  Außerdem wird bei den Finanzierungsmechanismen dem Aspekt der hohen Subventionen für die fossile Brennstoff-, petrochemische und Kunststoffindustrie, die die Plastikkrise anheizen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

  Eine der Kontaktgruppen wurde durch eine langwierige Diskussion über das weitere Vorgehen blockiert, die von einer Delegation als „prozedurales Fegefeuer” bezeichnet wurde.


Entscheidungsmacher*innen und Blockierer*innen

Am Ende eines jeden Verhandlungstages wir ein „Spoiler“ und einen „Champion„. Diese Auszeichnung spiegelt unsere Meinung über die Staaten wider, die im Laufe eines jeden Tages am meisten dazu beigetragen haben, die Ziele des Vertrags zu schwächen oder seine Ergebnisse zu stärken.

Spoiler des Tages

Heute geht der Titel „Spoiler des Tages” an das Königreich Saudi-Arabien für die Einbringung eines Vorschlags, wonach Beschlüsse auf der Vertragsstaatenkonferenz nur noch im Konsens gefasst werden sollen – was de facto jedem Land ein Vetorecht gegen ambitionierte Maßnahmen einräumt.

Champion des Tages

Heute geht die Auszeichnung „Champion des Tages” an Kolumbien und Peru für die Einbringung eines Vorschlags, der sicherstellt, dass künftige Konferenzen der Vertragsparteien Beschlüsse durch Abstimmung fassen können, wenn kein Konsens erzielt werden kann.

Pre-INC; Montag, 04. August 2025

Hunderte Menschen & zivilgesellschaftliche Organisationen aus aller Welt versammelten sich einen Tag vor Beginn des zweiten Teils der letzten Verhandlungsrunde für ein globales #Plastikabkommen auf der Place des Nations in Genf, um ein ambitioniertes und rechtsverbindliches Abkommen zu fordern, das die Menschen und den Planeten vor die Umweltverschmutzer stellt. 🌍✊

Die Demonstranten trugen gelbe 🟡, rote 🔴 und orangefarbene 🟠 Kleidung, um die Dringlichkeit der Krise und die Gefahr durch die unkontrollierte Produktion von Plastik, das aus #fossilen Brennstoffen hergestellt wird, zu symbolisieren. 🛢️🏭

Kurz vor Beginn der Verhandlungen macht die Zivilgesellschaft auf die Rolle der fossilen Brennstoffindustrie bei der Untergrabung des Fortschritts aufmerksam und fordert die Delegierten nachdrücklich auf, sich auf die Reduzierung der Plastikproduktion als Mittel zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung zu konzentrieren.

Dienstag, 05. August 2025

Wir haben die folgenden positiven (✅) und negativen (❌) Punkte beobachtet:

✅ Am Montag organisierten Greenpeace Schweiz, die Gallifrey Foundation und Break Free From Plastic eine Versammlung zivilgesellschaftlicher Organisationen in Genf. Sie brachten Hunderte von Menschen und Organisationen aus aller Welt zusammen, um ein ambitioniertes und rechtsverbindliches Abkommen zu fordern.

✅ Die Eröffnungssitzung begann mit einem Konzert auf zwei traditionellen Alphörnern. Danach wurden Beobachtende zu Wort gebeten, Sie forderten nachdrücklich einen Plastikabkommen, das den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen berücksichtigt. „Waste-Picker*innen“ forderten verbindliche Maßnahmen für einen gerechten Übergang (Just-Transition). Das Internationale Forum der indigenen Völker zu Plastik (International Indigenous Peoples Forum on Plastics) forderte ein Abkommen, das die gerechte und ethische Beteiligung indigener Völker und Träger traditionellen Wissens gewährleistet.

✅ In der Plenarsitzung schlossen sich auch das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte und die Wissenschafskoalition den Forderungen nach einem Abkommen an, das den gesamten Lebenszyklus von Plastik berücksichtigt. Der Kommissar sprach auch über die Notwendigkeit eines Abkommens, das die Menschenrechte fördert, einschließlich des Rechts auf Gesundheit und eine gesunde Umwelt, sowie einen gerechten Übergang für diejenigen, die am stärksten von Plastik betroffen sind.

✅Die „Break Free From Plastic”-Bewegung und die US-Delegation für Umweltgerechtigkeit machten darauf aufmerksam, dass diese Verhandlungen von der fossilen Brennstoff- und petrochemischen Industrie vereinnahmt worden seien, und erinnerten die Regierungen daran, dass Länder, wenn keine einvernehmlichen Entscheidungen getroffen werden können, die Möglichkeit haben müssen, abzustimmen, um sicherzustellen, dass Blockaden den Fortschritt nicht behindern.

❌ In der Eröffnungssitzung wurde, abgesehen von den Vorstößen Saudi-Arabiens und Irans gegen Produktionsreduktionsmaßnahmen, der Großteil der Zeit mit Verfahrensfragen wie der Terminierung der Kontaktgruppen für die Verhandlungen verbracht.

 Bereits am ersten Tag war ein mangelnder Zugang deutlich zu spüren. Die Verhandlungsräume verfügen nur über eine begrenzte Anzahl von Plätzen für Beobachtende, sodass die meisten zivilgesellschaftlichen Organisationen die Diskussionen über einen Livestream in Überlaufräumen verfolgen mussten.

❌ Wie schon bei anderen INCs wollten einige Länder mit geringen Ambitionen den Geltungsbereich des Abkommens einschränken und ignorierten weiterhin, dass die Resolution 5/14 der UNEA 2022 ein Abkommen vorschreibt, der den gesamten Lebenszyklus von Plastik abdeckt.

  Einige „Spoiler“ Länder, wollten Definitionen einschränken und Verweise auf Gesundheit und Klima streichen, ohne zu berücksichtigen, dass das Abkommen ohne wissenschaftlich fundierte Definitionen nicht in der Lage sein wird, die menschliche Gesundheit und die Umwelt wirksam zu schützen.

   Darüber hinaus ging eine Delegation sogar so weit, zu behaupten, dass es in dem Abkommen nicht um „Plastik” gehe. Diese Behauptung löste Gelächter im Überlaufraum aus, obwohl der Redner keinen Scherz gemacht hatte.

  Mehrere Verhandlungsführende sprachen sich dafür aus, dass Länder das Recht haben sollten, sich vollständig aus allen künftigen Änderungen der Anhänge des Abkommens zurückzuziehen. Dies würde effektiv verhindern, dass die Bestimmungen für Plastikprodukte, Chemikalien und Plastikproduktion im Abkommens aktualisiert werden, wenn sich die Umweltverschmutzung verschlimmert und die wissenschaftlichen Erkenntnisse zunehmen.

  Auch in anderen Diskussionen waren geringe Ambitionen zu spüren, insbesondere wenn es um Leckagen ging. Einige Länder versuchten, den Text zu verwässern – entweder indem sie bestritten, dass die Plastikproduktion zu Leckagen schädlicher Chemikalien führt, oder sogar indem sie vorschlugen, den Artikel ganz zu streichen.

  Während der Eröffnungspressekonferenz des UNEP erklärte das Schweizer Bundesamt für Umwelt, dass „entgegen einigen Medienberichten keine Forderung nach einer Produktionsobergrenze gestellt wird“, was auf einen Mangel an Ambitionen zu Beginn der Verhandlungen hindeutet.


Die Zivilgesellschaft setzt sich auf kreative Weise für ein starkes Abkommen ein

Am Tag vor Beginn der Verhandlungen versammelte sich die Zivilgesellschaft vor dem Palais des Nations mit einer klaren Forderung: „Stoppt die Plastikproduktion. Befeuert nicht unsere Zerstörung. Jetzt ein starkes Abkommen.“ (Cut Plastic Production. Don’t Fuel Our Destruction. Strong Treaty Now’.) Die Mobilisierung brachte Hunderte von Organisationen der Zivilgesellschaft und Menschen der Weltöffentlichkeit zusammen, die sich in Rot, Gelb und Orange kleideten, um die Dringlichkeit der Krise und die Gefahren der unkontrollierten Plastikproduktion zu symbolisieren.

Am ersten Tag machten die Rechteinhaber*innen durch verschiedene kreative Aktionen sowohl außerhalb als auch innerhalb der Verhandlungen auf sich aufmerksam: Vor dem Palais des Nations steht „The Thinker’s Burden“, eine Skulptur, die zeigt, wie sich dieses Abkommen sowohl auf Mutter Erde als auch auf zukünftige Generationen auswirkt, eine Seifenverteilung, die die Delegierten dazu ermutigt, für ein #CleanPlasticsTreaty zu stimmen, und eine Installation, die eine Million gesammelte Zigarettenkippen zeigt. Im Plenarsaal trotzten Beobachter der Hitze in Genf mit Wollmützen in Form eines Gehirns, die mit Plastik verziert waren, um darauf aufmerksam zu machen, dass sogar unser Gehirn durch Plastik belastet ist.

Ein zukunftsweisendes Abkommen

Während die Verhandlungen heute auf der INC-5.2 fortgesetzt wurden, versuchten Länder mit geringen Ambitionen erneut, das Abkommen zurückzudrängen – mit dem Argument, dass es in diesem Abkommen nicht um Plastik gehe, sondern nur um die Entsorgung von Plastikabfällen. Déjà-vu? Wir sind wieder bei den gleichen ermüdenden Debatten der INC-4 in Ottawa angelangt und ignorieren die Vereinbarungen von 2022 der UNEA 5.2 in Nairobi, als sich die Welt darauf einigte, die Plastikverschmutzung über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu bekämpfen (UNEA-Resolution 5/14).

Wie ein Land mit hohen Ambitionen in den heutigen Diskussionen sagte:
„Wenn es in diesem Abkommen nicht um Plastik geht, worum geht es dann?“

Wir brauchen keine Zeitmaschine, die uns zurückwirft. Wir brauchen ein starkes, zukunftsorientiertes Abkommen, das die Krise an der Wurzel packt: der Gewinnung fossiler Brennstoffe und der Produktion von Plastik. Die Stärke des Abkommens liegt in seinem Umfang und seinem umfassenden Ansatz, um Schäden zu verhindern, Umweltverschmutzer zur Verantwortung zu ziehen und den Planeten, unsere Gesundheit und zukünftige Generationen zu schützen.

Manifest für eine Zukunft ohne Plastikverschmutzung

Mehr als 600 zivilgesellschaftliche Organisationen aus der ganzen Welt haben das „Manifest für eine Zukunft frei von Plastikverschmutzung“ unterzeichnet, einen dringenden Aufruf an die Staats- und Regierungschefs, sich für die Rechte der Menschen auf eine gesunde Umwelt einzusetzen, wenn sie vom 5. bis 14. August 2025 in Genf, Schweiz, zur nächsten und wahrscheinlich letzten Sitzung der Verhandlungen über das Plastikabkommen (INC 5.2) zusammenkommen.

Nach dreijährigen Verhandlungen über das Plastikabkommen erwartet die Welt, dass sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem nächsten Treffen im August in Genf (Schweiz) auf ein umfassendes Abkommen einigen. Nur ein internationales, rechtsverbindliches Abkommen, wird die Verschmutzung durch Plastik über den gesamten Lebenszyklus hinweg, von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung, erfolgreich beenden. Die Welt braucht ein ambitioniertes Abkommen, das die Rechte und die Gesundheit der Menschen wirksam schützen, die Gemeinschaften bewahren und den Planeten erhalten kann.

Hier geht es zum gesamten Manifest-Text mit der Möglichkeit zur Zeichnung.

Exit Plastik Themenseite zum Plastikabkommen mit täglichen berichten zu INC-5.2.

Plastikkollaps

Plastikkonsum macht uns und unseren Planeten krank

Der neue Greenpeace Bericht zeigt: Plastik ist nicht nur Müllproblem, sondern auch Gesundheits- und Klimakrise – angetrieben durch fossile Rohstoffe. Er fasst zentrale Fakten zusammen und fordert im Vorfeld der INC 5.2 in Genf ein verbindliches Abkommen zur drastischen Reduktion der Plastikproduktion.

Website zum Bericht

Rückblick INC-5

Vom 25. November bis 1. Dezember 2024 fand die letzte geplante Verhandlungsrunde (INC-5), für ein globales Plastikabkommen in Busan, Südkorea, statt. Der Tagung voraus gingen regionale Konsultationen am 24. November.

Stellungnahme ANSES Studie

In einer neuen Studie hat die französische Lebensmittelsicherheitsagentur ANSES Mikroplastik in einigen Glasflaschen gefunden. Dieses stammt jedoch nicht aus dem Glas selbst. Glas ist ein inertes Material, das keine schädlichen Chemikalien enthält. Es ist besonders sicher in Mehrwegsystemen.

Pressekommentar: Jährlicher Refill Day zeigt Notwendigkeit von Mehrweg – auch ohne Plastik

Pressekommentar – Anlässlich des World Refill Day, dem „Welttag des Nachfüllens“, am 16. Juni fordert das zivilgesellschaftliche Bündnis Exit Plastik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Mehrweglösungen und verpackungsfreies Einkaufen zum neuen Normal zu machen, um unnötigen Plastikmüll zu vermeiden.
Dabei muss auch hier der entscheidende Schritt zu weniger Plastik gegangen werden. Denn auch im Mehrwegbereich können gesundheitsschädliche Stoffe aus Plastik in unsere Nahrung gelangen. Das zeigt auch das Fact Sheet „Risikobehälter: Plastikmaterialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen“ (Exit Plastik, 2025) auf.

Nice Wake Up Call

Mit dem „Nice Wake up Call“ haben mehr als 90 Staaten, ihre Ambition bekräftigt, die Verschmutzung durch Plastik zu beenden.
Mehr als 230 Organisationen der Zivilgesellschaft begrüßen das Engagement für ein ehrgeiziges globales PlastikAbkommen. Gleichzeitig betonen sie, dass die von den Staaten formuliert Erklärung lediglich das Mindestmaß an Ambitionen sein dürfe, nicht jedoch eine Obergrenze.